Miroslava Svolikova: "Wenn ich auf alles eine Antwort hätte, würde ich Essays schreiben und keine Theaterstücke." - © Robert Newald
Miroslava Svolikova: "Wenn ich auf alles eine Antwort hätte, würde ich Essays schreiben und keine Theaterstücke." - © Robert Newald

Miroslava Svolikova verhilft dem absurden Drama zu einer Renaissance: Ihre Stücke beweisen Sinn für grenzwertigen Humor, ihre Figurenkonstellationen sind unkonventionell. Seit ihrem Debüt mit der Provinz-Farce "Die Hockenden" (2016) wurden ihre Texte mit Preisen und Stipendien bedacht. Ihr bislang drittes Stück, "europa flieht nach europa", in dem Europas Gründungsmythos und die Geschichte des Kontinents im Schnelldurchlauf skizziert werden, feiert am 3. Oktober Premiere in der Burg-Spielstätte Kasino. Die "Wiener Zeitung" sprach mit der 32-Jährigen über ihren Zugang zum Theater.

"Wiener Zeitung":Ihre Laufbahn als Dramatikerin hat mit dem Gewinn des Retzhofer Dramapreises begonnen. Wie kam es dazu?

Miroslava Svolikova: Es hat sich so ergeben, ich bin da hineingerutscht. Ich schreibe, seit ich ein Kind bin, mit Unterbrechungen zwar, aber ich komme immer wieder darauf zurück.

Ihr zweites Stück "Diese Mauer fasst sich selbst zusammen. . ." setzt sich mit oft undurchsichtigen Ausschlussmechanismen bei Wettbewerben auseinander. Hatten Sie das Porträt einer optimierungssüchtigen Gesellschaft im Sinn?

Der Wettbewerb ist omnipräsent. Die Situation, sich permanent bewerben und bewähren zu müssen, ist mir nur allzu vertraut. Selbst bei Nebenjobs gibt es eine Wahnsinnskonkurrenz. Es kommt darauf an, wo man gerade im Leben steht und wie man damit umgeht: Man kann es als notwendiges Übel ansehen, es kann unglaublich frustrierend sein, oder sich als Chance erweisen.

Sie haben auch an der Akademie der Bildenden Künste studiert. Stehen die verschiedenen Kunstformen bei Ihnen im Widerstreit?

Nein. Ich mache übrigens auch Musik. Meine Idealvorstellung wäre, möglichst alles zu machen.

Am Grazer Lehrgang uniT für szenisches Schreiben haben Sie ebenfalls teilgenommen. Wie würden Sie diese Ausbildung mit der Kunstuniversität vergleichen?

Beim Schreiblehrgang trifft man sich in regelmäßigen Abständen und spricht auf Augenhöhe über die Texte. Das Ziel ist klar formuliert: Am Ende soll es einen Text geben, der auf die Bühne gelangen kann. Beim Kunststudium geht es viel stärker darum, überhaupt einen Weg zu finden, wie man sich künstlerisch ausdrücken möchte.

In Ihren Stücken sind die Figuren außer Rand und Band, entweder wechseln sie mitten im Stück die Funktionen, so wird die Putzhilfe beispielsweise zur Regisseurin, oder es kommen gar abstrakte Begriffe aufs Podium - wie Sterne, Hologramme oder ein Regenbogen. Was haben Sie hier vor?