Es ist ein zutiefst positiver Abend, den Stefan Haider für sein Publikum bereithält. Denn vom hauptberuflichen Religionslehrer und nebenberuflichen Kabarettisten bekommen seine Zuhörer lauter schöne Sätze mit auf den Weg: "Man sieht nur mit dem Herzen gut." - "Habt keine Angst vor der Welt 4.0!" - "Stärken ausbauen, Schwächen managen." - "Ein Genügend muss reichen."

Was sonst auch kann man sich von jemandem erwarten, der aus erster Hand das Gefühl kennt, dass einem eh keiner richtig zuhört? Nun, zum Beispiel das, was zwischen den eingangs erwähnten Phrasen vom Herrn Religionslehrer kommt. Und das ist unter anderem Kritik am Bildungssystem und seinen Bewohnern, bei der man teils nicht ganz sicher ist, wie ernst er seine Forderungen wirklich meint. Wenn er zum Beispiel vorschlägt, dass man sich bei Desinteresse von allen Fächern (und nicht nur von Religion) abmelden können sollte.

Ähnlich geht es dem Zuhörer, wenn Haider - wieder ganz Religionslehrer - das Christentum anhand eines alten Witzes erklärt und auch sonst nicht mit Selbstironie in Sachen Glauben spart. Das Ganze aber mit einer so charmanten und sanftmütigen Art, dass selbst die böseste Pointe wie ein sanft hingehauchter Kuss wirkt, während ihr Inhalt tief ins Stammhirn sickert. Und es wäre nicht Stefan Haider, hätte sein Humor nicht intellektuelles Niveau. Bei so einem Lehrer würde man glatt noch einmal in den Religionsunterricht gehen.