• vom 11.10.2018, 10:30 Uhr

Bühne

Update: 11.10.2018, 13:22 Uhr

Globe-Neueröffnung

Es wird auch wieder Shakespeare geben




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Von Mathias Ziegler

  • Im Globe Wien ist wieder Spielbetrieb. Und der Eröffnungsabend mit Pizzera & Jaus macht Lust auf mehr.

In der Marx Halle wird wieder Theater gespielt. - © www.globe.wien/Markus Wache

In der Marx Halle wird wieder Theater gespielt. © www.globe.wien/Markus Wache

Die stolzen Hausherren vor dem neuen alten Theater: Michael Niavarani und Georg Hoanzl.

Die stolzen Hausherren vor dem neuen alten Theater: Michael Niavarani und Georg Hoanzl.© www.globe.wien/Markus Wache Die stolzen Hausherren vor dem neuen alten Theater: Michael Niavarani und Georg Hoanzl.© www.globe.wien/Markus Wache

Manchmal führt der Zufall Regie. Und so steckte laut Michael Niavarani keine bestimmte Absicht und schon gar kein Masterplan dahinter, dass am Mittwochabend ausgerechnet sein künstlerischer Simpl-Ziehsohn Otto Jaus gemeinsam mit seinem Spezi Paul Pizzera als Allererster das neue Globe in der Marx Halle rocken durfte. Die lapidare Erklärung des Impresarios: "Dieser Termin war schon ausgemacht, bevor das Globe abgebrannt ist." Und weil sich am Ende doch noch alles irgendwie ausgegangen ist mit dem Neubau, wurde Pizzera & Jaus die Ehre zuteil, statt in der Ausweich-Location Gasometer am Originalschauplatz zu spielen, was nicht nur die beiden Künstler spürbar genossen haben; auch das Publikum war begeistert, Standing Ovations inklusive.

Bequemere Sitze und neues Raumkonzept

Niavarani und sein Compagnon Georg Hoanzl wirkten in der Pause jedenfalls erleichtert bis euphorisch, dass ihr Theater jetzt tatsächlich wieder in neuem Glanz erstrahlt - und dass es jetzt sogar noch schöner und besser ist als vorher. So ist nicht nur die Bestuhlung jetzt bequemer als vorher, sondern das Theater ist auch flexibler geworden: "Es geht von 600 bis 1300 Zuschauern, da können wir bei Bedarf Zwischenwände einhängen", erläuterte Niavarani im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Und Hoanzl, ergänzte: "Es ist ein irrsinnig schönes Raumkonzept, und man merkt, wie sich die Künstler und das Publikum wohlfühlen."

Der neue Eingangsbereich.

Der neue Eingangsbereich.© www.globe.wien/Markus Wache Der neue Eingangsbereich.© www.globe.wien/Markus Wache

Letzteres betrat das Theater auch durch einen neuen Eingang. Weil nämlich das Feuer in der Nacht auf 10. September 2017 die Eisenkonstruktion des Globe dermaßen verformt hatte, sodass dieser Bereich mit dem größten Brandschaden immer noch nicht begeh- und renovierbar ist, musste das Theater an anderer Stelle in der Marx Halle - sprich: gleich gegenüber - komplett neu aufgebaut werden. Damit wurde aber eben auch das neue Raumkonzept möglich. Das Bühnenbild selbst ist sehr nah am alten, "mit einigen Verbesserungen", so Hoanzl, der bekannte: "Ich spüre erst seit ein paar Stunden, dass das Ganze wieder rund ist und gut funktioniert."

Auch Niavarani hatte am Mittwochabend wieder "ein gutes Gefühl, auch wenn man merkt, dass einige Kleinigkeiten, vor allem hinter der Bühne, noch zu erledigen sind". So waren die Sitznummern etwas verwirrend, weil die Karten ursprünglich für den Gasometer gedruckt worden waren. Erst 24 Stunden vor der Vorstellung war definitiv klar, dass es sich mit dem Globe ausgehen würde, berichtete Niavarani. "Aber das ist immer so im Theater. Hätten wir noch ein Jahr Zeit, dann würde es in einem Jahr knapp werden. Das gehört dazu."

"29 Jahre wird unser Globe Wien auf jeden Fall stehen"

Niavarani mit Pizzera & Jaus, den ersten künstlerischen Gästen im neu errichteten Globe Wien.

Niavarani mit Pizzera & Jaus, den ersten künstlerischen Gästen im neu errichteten Globe Wien.© www.globe.wien/Markus Wache Niavarani mit Pizzera & Jaus, den ersten künstlerischen Gästen im neu errichteten Globe Wien.© www.globe.wien/Markus Wache

Was die Zukunft seines Theaters betrifft, so meinte Niavarani, der am 29. April seinen 50er gefeiert hat, mit Blick auf das große Vorbild: "Das Londoner Globe wurde 1613 nach dem Brand wiedereröffnet, und 1641 wurden alle Theater von den Puritanern geschlossen. Das heißt, 29 Jahre wird unser Globe Wien auf jeden Fall stehen, und danach schauen wir, was passiert. WIr hätten es ja nicht wiederaufgebaut, wenn wir nicht daran glauben würden, dass es funktioniert."

Paul Pizzera (l.) und Otto Jaus genossen den Abend spürbar.

Paul Pizzera (l.) und Otto Jaus genossen den Abend spürbar.© www.globe.wien/Markus Wache Paul Pizzera (l.) und Otto Jaus genossen den Abend spürbar.© www.globe.wien/Markus Wache

Die kommenden zwei Saisonen werden mit verschiedenen Gastspielen namhafter Künstler aus dem In- und Ausland bestritten. Für Eigenproduktionen wäre einfach die Vorlaufzeit zu kurz, da das Globe-Team nach dem Brand von der Planung her wieder bei Null beginnen musste. "Ich empfinde eine große Demut und Dankbarkeit für jeden Kollegen, der bei uns auftritt", betonte Niavarani. Sobald es möglich sei, werde er aber wieder eine Shakespeare-Produktion machen, versprach der Theaterchef, der diesen Sonntag "fremdgeht" und im ausverkauften Konzerthaus, begleitet vom Wiener Kammerorchester, den "Sommernachtstraum" liest. Im Globe spielt er ab 21. November sein aktuelles Programm "Homo idioticus". Und die gute Nachricht für seine Fans zum Schluss: Für Niavaranis Auftritte im Dezember und Jänner im Globe gibt es tatsächlich noch Karten.

www.globe.wien





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-10 23:23:50
Letzte Änderung am 2018-10-11 13:22:34


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