Klytämnestra im Paternoster: Waltraud Meier . - © Staatsoper/Pöhn
Klytämnestra im Paternoster: Waltraud Meier . - © Staatsoper/Pöhn

Es sind kraftvolle Bilder: die Nacktheit der Menschen, blutverschmiert, vor der grauen, kahlen Wand. Passend dazu der erste schrille Akkord vom Orchester. Wir befinden uns in Richard Strauss’ "Elektra". Es ist eine intensive Oper, deren Poesie wie Brutalität in dieser minimalistischen Inszenierung, die auf die Kraft der einfachen Bilder setzt und so die Musik wirken lässt, gut zur Geltung kommt. Zwei Hunde, die über die Bühne stürmen, ein Rollstuhl, in den Klytämnestra gesetzt wird, der Paternoster, der auf und abfahrend erst lebend und dann tote Personen transportiert. Das Licht geht an und wieder aus.

Die drei weiblichen Hauptrollen bohren sich unter die Haut, lassen kein Abschweifen zu, man ist gebannt. Lise Lindstrom erstmals als Elektra zeichnet eine Rolle von poetischer Tiefe: hart und doch mit vereinzelt menschlichen Anflügen. Schneidend ihr Timbre, mit einem Hauch metallischem Klang, der aufflammt, wenn sie sich in Rage singt, aber auch nicht von ihr weicht, wenn sie endlich Orest wiedersieht. Anna Gabler daneben als Schwester Chrysothemis ist ebenso gut gewählt, weil, entsprechend der Rolle, etwas weicher und wärmer im Timbre. Waltraud Meier als Mutter Klytämnestra eindringlich, wenn auch etwas brüchig in den Übergängen.

Die musikalische Basis, das Orchester, zeigt sich unter der Leitung von Michael Boder eher brutal als fein. Manchmal muss da selbst eine Elektra schauen, dass sie drüber kommt. Dementsprechend wenig farbenreich kann sich der Klang entfalten, wenn es mal sanfter wird in diesem Keller des Grauens. Jedenfalls aber elektr(a)isierend.