Das Publikum sitzt an zwei Seiten, Videoprojektionen an zwei Wänden. Aus Holzbrettern hat Bühnenbildner Renato Uz drei nach oben hin offene, provisorische Räume gebaut. Hinten hängt eine geblümte Wand, steht ein Schlagzeug, Live-Video von überall her.

Das Werk-X startet die Saison mit "Aufstand der Unschuldigen", eine Stückentwicklung von Ali M. Abdullah und Ensemble. Der zweistündige Theaterabend verbindet Agitprop ("Natürlich kann geschossen werden.") mit Diskurs-Theater ("Wer ist denn jetzt eigentlich für die Selbstsprengung?") mit jelinekschen Kalauer-Kaskaden ("sie drängen herein, drängen in uns ein").

Die Spielenden (Annette Isabella Holzmann, Christoph Griesser, Martin Hemmer, Felix Krasser und Peter Pertusini) bewegen sich (meist) behände von Thema zu Thema. Gedanklich nimmt das Stück Ausgang bei der Passivität des Publikums. Was folgt, ist eine Tour de Force durch Rede und Gegenrede, durch rechte und linke Bedrohungsszenarien und verschiedenste Aufrufe, zu den Waffen zu greifen, etwa zu den "verfassungsmäßigen". Andreas Baader, Claire Danes, Martin Sellner und Jean Ziegler treffen sich zur Talk-Show. Pertusini moderiert, verzweifelt, schaulustet, das alles auf einmal. Hemmer spielt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk als liebevoll Lesenden. Ulrike Meinhof fungiert als Gegenüber. Eine pflichtbewusste Meta-Theater-Szene unterbricht den Gedankenfluss, lässt den Abend als Sebastian-Kurz-Parodie enden. Schade. Der "Aufstand" davor war zwar nicht unschuldig, aber ambitioniert.