• vom 18.10.2018, 16:14 Uhr

Bühne

Update: 18.10.2018, 16:34 Uhr

Theaterkritik

Agitprop Diskurs




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Theresa Luise Gindlstrasser

  • Ali M. Abdullahs "Aufstand der Unschuldigen" pendelt zwischen Theorie und Aktion.

- © Alexander Gotter

© Alexander Gotter

Das Publikum sitzt an zwei Seiten, Videoprojektionen an zwei Wänden. Aus Holzbrettern hat Bühnenbildner Renato Uz drei nach oben hin offene, provisorische Räume gebaut. Hinten hängt eine geblümte Wand, steht ein Schlagzeug, Live-Video von überall her.

Das Werk-X startet die Saison mit "Aufstand der Unschuldigen", eine Stückentwicklung von Ali M. Abdullah und Ensemble. Der zweistündige Theaterabend verbindet Agitprop ("Natürlich kann geschossen werden.") mit Diskurs-Theater ("Wer ist denn jetzt eigentlich für die Selbstsprengung?") mit jelinekschen Kalauer-Kaskaden ("sie drängen herein, drängen in uns ein").

Information

Theater
Aufstand der Unschuldigen
Werk X, Wh.: bis 10. Nov.

Die Spielenden (Annette Isabella Holzmann, Christoph Griesser, Martin Hemmer, Felix Krasser und Peter Pertusini) bewegen sich (meist) behände von Thema zu Thema. Gedanklich nimmt das Stück Ausgang bei der Passivität des Publikums. Was folgt, ist eine Tour de Force durch Rede und Gegenrede, durch rechte und linke Bedrohungsszenarien und verschiedenste Aufrufe, zu den Waffen zu greifen, etwa zu den "verfassungsmäßigen". Andreas Baader, Claire Danes, Martin Sellner und Jean Ziegler treffen sich zur Talk-Show. Pertusini moderiert, verzweifelt, schaulustet, das alles auf einmal. Hemmer spielt "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk als liebevoll Lesenden. Ulrike Meinhof fungiert als Gegenüber. Eine pflichtbewusste Meta-Theater-Szene unterbricht den Gedankenfluss, lässt den Abend als Sebastian-Kurz-Parodie enden. Schade. Der "Aufstand" davor war zwar nicht unschuldig, aber ambitioniert.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-18 16:24:51
Letzte Änderung am 2018-10-18 16:34:52


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Tiefe des Meeres im Krieg
  2. Der Ursprung der Wiederholung
  3. Im Inselreich der Affekte
  4. Die Nestroy-Preise wurden verliehen
  5. Zerrbild der Ideenträger
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
  4. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video
  5. Schweigen im Blätterwald

Werbung



Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung