- © A. Friess
© A. Friess

Sie ist sieben Jahre alt, als die Mutter zum ersten Mal versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie ist 17 beim zweiten Mal und 27 beim letzten.

"Every brilliant thing", so der Originaltitel von Duncan Macmillans 2013 uraufgeführtem Monolog "All das Schöne", das sind all die Dinge, für die es sich "zu leben lohnt". Zu Beginn sind es 314 Dinge eines Kindes, das plötzlich mit der Lebensverweigerung der Mutter konfrontiert ist. Schokolade, Achterbahnen und "Leute, die in der Nase bohren, und man schaut zu, was sie damit machen". Zehn Jahre später sind es Nacktbaden, Geheimnisse, Versöhnungen, "nicht zu viele materielle Dinge". Am Ende werden es eine Million Dinge sein. Und eine tote Mutter. Was bleibt, das sind in Macmillans berührendem Monolog nichts weniger als Lebensbejahung, der Mut weiterzuleben und das Wissen, dass die Listen einen weitertragen werden.

Regisseurin Esther Muschol hat mit Schauspielerin Michaela Bilgeri (Bild) im Theater Drachengasse eine humorvolle, sensible Adaption mit hie und da ein wenig zu bemühtem "Lokalkolorit" entwickelt, bei der das Publikum mit sympathischer Leichtigkeit zur im Stück vorgesehenen Mitarbeit eingeladen wird.

Entstanden ist eine musikalische und unsentimentale, zwischen Unmittelbarkeit und intensiven Momenten changierende konsequente Inszenierung über "die Möglichkeit, aus der Sprachlosigkeit auszubrechen".