Petra Morzé: "Meine Maxime: Lass dich nie von einem Mann unterdrücken!" - © Robert Newald
Petra Morzé: "Meine Maxime: Lass dich nie von einem Mann unterdrücken!" - © Robert Newald

Diese Spielzeit ist wohl die vorerst letzte Gelegenheit, Petra Morzé am Burgtheater in Aktion zu erleben. Seit 2002 ist die Schauspielerin eine wesentliche Stütze des Ensembles, der designierte Intendant Martin Kušej hat ihren Vertrag jedoch nicht verlängert.

Am Mittwoch (31. Oktober) feiert Carl Sternheims Polit-Farce "Der Kandidat" Premiere, Petra Morzé spielt an der Seite von Gregor Bloéb Frau Russek, die weibliche Hauptrolle. Mit der "Wiener Zeitung" sprach die Schauspielerin über Werdegang und Zukunftspläne.

"Wiener Zeitung":Ihr Taufname lautet Petra Kogelnig. Wie kamen Sie zu Ihrem Künstlernamen?

Petra Morzé: Morzé ist der Mädchenname meiner Mutter.

Als ältestes von sieben Kindern wuchsen Sie in Ernsdorf bei Staatz auf. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Großfamilie?

Eine Großfamilie kann sehr schwierig sein! Wir wurden streng erzogen, die Flucht in die Natur stand uns aber immer offen. Mit 15 flüchtete ich regelrecht von zu Hause und lebte eine Weile bei meiner Morzé-Großmutter in Kärnten. Sämtliche Schulen brach ich ab, erhielt mich schon mit 17 selbst.

Wie schlugen Sie sich durch?

Mit allem Möglichem und Unmöglichem, was man als ungelerntes Mädchen eben machen konnte: Putzen oder Kellnern; so verdiente ich mir später das Geld für das Schauspiel-Studium. Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden, ich wäre wohl eine wirklich gute Intensivpflegerin geworden. In Krisensituationen, wenn alle um mich herum die Nerven wegschmeißen, werde ich ganz ruhig, agiere klar, besonnen. Was mich eher an den Rand bringt, ist der ganz normale Alltag.

Wie kamen Sie ans Theater?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Anfangs arbeitete ich als Statistin beim Film. "Das Dorf an der Grenze" von Fritz Lehner war mein allererster Dreh. Dabei bemerkte ich, wie sehr mir das Freude bereitete. In meiner Kindheit war die Bildende Kunst durch meinen Vater, einen Bildhauer, viel präsenter als das Theater. Bücher spielten eine wesentliche Rolle, natürlich auch Musik! Wir mussten Klavier lernen, da gab es kein Pardon. Wenn man auf sein Leben zurückblickt, wirkt vieles linear, so war es aber nicht. Man legt Schritt für Schritt zurück - und hat dann doch einiges geschafft. Das muss man sich immer wieder vergegenwärtigen. Ich entwickelte früh Kampfgeist, lernte, nicht aufzugeben, immer wieder aufzustehen, wenn man am Boden liegt. Meine Maxime, damals wie heute: Lass dich nie von einem Mann unterdrücken, sei niemals von einem Mann finanziell abhängig! Das verinnerlichte ich früh.



Sie haben jenen Brief mitunterzeichnet, indem der Machtmissbrauch des ehemaligen Direktors Matthias Hartmann kritisiert wurde. Was hat sich seitdem verändert?

Wir wollten eine Debatte in Gang bringen. Wir wollten dazu aufrufen, die teils noch immer feudalistischen Strukturen an Theatern zu verändern, die besonders dann zum Tragen kommen, wenn ein Intendant zugleich Regisseur ist. Ich hoffe, dass sich etwas verbessert, aber es scheint nicht der Fall zu sein.

Wie haben Sie Karriere und Kinder vereinbart?

Wenn ich heute darüber nachdenke, frage ich mich, wie ich als alleinerziehende Mutter alles unter einen Hut bringen konnte. Man mobilisiert offenbar ungeahnte Kräfte. Für eine Frau, die mit voller Kraft ihrer Arbeit nachgeht, sich entwickeln und entfalten möchte, gibt es wohl nie den richtigen Zeitpunkt, um Kinder zu bekommen. Wenn man es möchte, sollte man sich davon nicht abhalten lassen, es einfach tun.

Als Schauspielerin zeichnet Sie auch Ihr besonderes Timbre aus.

Lange Zeit hatte ich einen regelrechten Komplex wegen meiner Stimme. Während des Schauspielstudiums musste ich viel an Stimm- und Atemtechnik arbeiten. Wie oft knallte ich die Sprechübungsbücher an die Wand! Wie häufig dachte ich mir, das werde ich nie schaffen! Von daher brauchte ich eine Weile, bis ich zu meiner Stimme Zutrauen fand.

Nach Engagements am Volkstheater und an der Josefstadt kamen Sie 2002 ans Burgtheater. Was bedeutet Ihnen dieses Theater?

Zuvor hatte ich an der Josefstadt gekündigt, was mir nicht leichtfiel. Die Kinder waren klein, alle sagten mir: "Du hast doch einen Vogel." Aber ich wollte eine andere Ästhetik, andere Autoren spielen. Dann kam der Anruf vom Burgtheater, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Inzwischen bin ich seit 17 Jahren am Haus. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Der designierte Burg-Direktor Martin Kušej hat Ihren Vertrag nicht verlängert. Wie blicken Sie zurück?

Es war eine ganz wichtige Zeit mit tollen künstlerischen Begegnungen, ich konnte vieles von dem umsetzen, was ich mir gewünscht hatte. Das hat mich schon sehr belebt!

Ihre Zukunftspläne?

Ich habe 30 Jahre durchgerackert und versuche jetzt, nicht schon wieder zu planen, sondern alles auf mich zukommen zu lassen. Natürlich weht mich manchmal Existenzangst an. Wenn man mit 54 zum ersten Mal freischaffend arbeitet, kann einen das umhauen. Aber die neue Situation reizt mich natürlich auch. Ich bin frei von Zwängen, muss nicht mehr die Dinge tun, die ich nicht möchte. Wenn man offen für Neues ist, wird sich Arbeit auftun. Davon bin ich überzeugt.