Aida Garifullina bezauberte als Adina. - © Staatsoper / Ashley Taylor
Aida Garifullina bezauberte als Adina. - © Staatsoper / Ashley Taylor

Es war wie immer im Leben - und eben oftmals in der Oper. Was man nicht hat, das will man. Und zwar um jeden Preis. So agierte auch wieder erfolgreich Aida Garifullina in Donizettis Melodramma giocoso "L’elisir d’amore" als schöne Adina, die ihren lang verschmähten Verehrer Nemorino nicht mit dem Rest des Dorfes teilen wollte. Das Kunststück gelang ihr bekanntlich ganz ohne die Scharlatanerie des Doktor Dulcamara - Paolo Rumetz überzeugte mit seinem gewohnt beherzten Buffo-Spiel in der geliebten, altertümlichen 243. Aufführung "nach" Otto Schenk. Kein Wunder, dass diese Adina den Tölpel haben wollte: Benjamin Bernheim machte in der Rolle des Nemorino mit und ohne berauschendes Liebeselixier abermals gute Figur. Wohlklingend, mit unbedingt zu erwähnender Exaktheit in der Stimmführung, wenn auch nicht prätentiös gelangen ihm Hits wie "Quanto è bella" und "Una furtiva lagrima". Und höchst überzeugend, alle bezaubernd, ging Garifullina die erlösende "Prendi, per me sei libero" Arie über die Lippen. Orhan Yildiz bewegte sich als militärischer Widersacher Belcore durchwegs sicher durch Schenks naturalistische Bilder, dennoch brachte er wenig Stimmpräsenz ein. Die Rollendebütantin des Abends konnte überzeugen: die äthiopische Sopranistin Mariam Battistelli legte eine geradlinige Gianetta hin, in Stimmsicherheit und Volumen bestimmt noch ausbaufähig.

Interessante Impulse kamen aus dem Orchestergraben: Dirigentin Speranza Scappucci präsentierte einen höchst erfreulichen, weil in Tempi und Dynamik gänzlich zeitlosen, erfrischenden Zugang zum Belcanto (schöne Bläser-Soli). Wermutstropfen waren die Einsätze, vor allem mit den jedenfalls beherzt agierenden Damen und Herren des Staatsopernchors. Für die Folgevorstellungen bleibt Luft nach oben - dankbarer Applaus für einen gelungenen Repertoireabend.