Völlig losgelöst: Burg-Schauspieler Klaus Maria Brandauer ganz leger vor Jim Raketes Kamera. - © J. Rakete
Völlig losgelöst: Burg-Schauspieler Klaus Maria Brandauer ganz leger vor Jim Raketes Kamera. - © J. Rakete

"Wiener Zeitung": Ihre Schwarzweißporträts von Musikern, Schauspielern und Politikern sind legendär. Was fesselt Sie an dem Format?

Jim Rakete: Porträtfotografie ist an sich ein unglaublich interessantes Metier. Für mich war die Fotografie der Schlüssel, um mit außergewöhnlichen Menschen in Kontakt zu kommen.

Was zeichnet ein gutes Porträtfoto aus?

Ein gutes Porträt ist ein Bild, das man sich merkt.

Reagiert jeder Mensch anders vor der Kamera?

Ja, natürlich.

Wie geht es bei Ihnen während einer Session zu?

Es ist ähnlich, wie bei diesem Interview hier: Man versucht, gemeinsam in eine Art von Fluss zu kommen. Was oder worüber während des Fotografierens gesprochen wird, ist natürlich nebensächlich. Es geht gewissermaßen um den unterirdischen Kanal zwischen dem Fotografen und seinem Gegenüber: Wie sitzt oder steht jemand? Was will er eigentlich machen? Ich bilde mir ein, dass ich im Voraus erahnen kann, was mein Vis-à-vis gerade im Begriff ist zu tun.

Sie irren sich nie?

So gut wie nie. Situationen vorauszudenken, das habe ich in der Reportage-Fotografie gelernt.

Wann wissen Sie, ob ein Foto gelungen ist?

Das weiß ich nie. Fragen Sie mich in zehn Jahren, dann habe ich vielleicht eine Einstellung dazu. Es ist doch so: Ich nehme mir ein Projekt vor, dann wird es mir zu viel; ich durchlaufe Stadien der Verzweiflung, denke mir, dass ich es nicht schaffen werde - und irgendwann bin ich fertig damit.

Ihr neues Burgtheater-Projekt muss regelrechte Akkordarbeit gewesen sein: Sie lichteten innerhalb von nur zehn Tagen sämtliche 77 Ensemblemitglieder ab. Wie ging das?

Ich war ganz auf mich allein gestellt, ohne Assistent, und hatte für jeden Schauspieler, für jede Schauspielerin 15 Minuten Zeit. Als improvisiertes Studio diente ein kleiner Proberaum unter dem Dach. Erschwerend kam hinzu, dass ich ausnahmsweise digital fotografierte. Diese digitalen Biester sind nervtötend langsam.

Wie kam’s dazu? Sie gelten als Gegner der Digitalfotografie.