Ärger im Mädchenpensionat (v.l.): Claudia Waldherr, Katharina Stadtmann, Rebekka Reinholz und Ivana Nikolic. - © Rita Newman

Theaterkritik

Verwöhnte Fratzen

  • Das Theater der Jugend zeigt den tiefen Fall eines reichen Mädchens.

Der Knecht wird über Nacht stinkreich, der Herr bettelarm, dieses Wechselbad der Lebensläufe ist bekanntlich ein beliebtes Märchenmotiv. Auch die Autorin Frances Hodgson Burnett (1949-1924) bediente sich gern dieses Kniffs. Ihre Kindheit im Slum von Manchester hat sie bestens auf drastische Schilderungen der Klassenunterschiede vorbereitet... weiter





Tschechows "Onkel Wanja" liefert Reizwörter für die spielfreudige Jugend.  - © Wiener Festwochen, Nurth Wagner Strauss

Wiener Festwochen

Onkel Wanjas Reizwörter9

Wien. Erste synchrone europäische Zentralmatura im Neigungsfach Bühnenspiel! Erstes Thema: "Chekhov – Fast & Furious". Nur Pädagogen kann diese Melange von stilvollem Stillstand in russischen Landadelshäusern und der Superaction nach der Peitsche von Rob Cohen im Film einfallen. Was in Amiens... weiter




Der Countertenor muss "Aida" im Alleingang bewältigen. - © A. Bardel

Opernkritik

In Absurdistan gibt es nichts zu lachen4

  • Die Neue Oper Wien zeigt im Werk X zwei Einakter von Gerhard Schedl und Peter Eötvös.

Eine Frau und ein Mann rezitieren sinnentleerte Verse, während sie Körperteile zu Kleidungsstücken erklären und Wortspiele in anzügliche Handlungen übersetzen: Willkommen bei "Ficus", einem Abend der Neuen Oper Wien, der im Werk X zu erleben ist. Genau genommen befinden wir uns in dessen erster Hälfte mit dem Titel "Der Ficus spricht"... weiter




Bühne frei für die großen Fragen der Menschheit. Szene aus Ersan Mondtags Inszenierung der "Orestie". - © Armin Smailovic

Festwochen-Bilanz

Besser scheitern8

  • Glückte der Neuanfang der Wiener Festwochen? Eine Bilanz der zweiten Ausgabe unter Intendant Zierhofer-Kin.

Was ist bloß mit den Festwochen los? Die Frage war dieser Tage oft zu hören. Wiens größtes Festival war nicht nur unter den Besuchern Dauergesprächsthema. Neben szenischen Eigentümlichkeiten, die man 2018 wieder über sich ergehen lassen musste, erschienen in der Rückschau die vergangenen Festwochen-Ausgaben unter den Intendanten Markus Hinterhäuser... weiter




Neigung zum Nonsens mit erheiternden Endreimen: Otto Waalkes, Vorbild einer Generation, die ganz andere Wege geht. - © Interfoto/picturedesk

Humor

Hallo Otto! Hallo Echo!6

  • Otto Waalkes, bald 70, blickt in einem Buch zurück. Was verdankt ihm die heutige Comedy-Landschaft?

"Neulich hat mein Freund und Kollege Michael ,Bully‘ Herbig in aller Öffentlichkeit über mich gesagt, ich wäre für die deutschsprachige Comedy das, was Elvis Presley für den amerikanischen Rock’n’Roll gewesen ist. Ich wiederhole das hier gern, weil es so gut klingt und es sonst womöglich keiner tut... weiter




- © Daniel Wolf

Theaterkritik

Stadt der Kinder

  • "Gaudiopolis": Performativer Museumsrundgang für Besucher ab 12 Jahren.

Die Stadt mit dem herrlichen Namen Gaudiopolis gab es tatsächlich: Gegen Kriegsende besetzte Pastor Gábor Sztehlo mit seinen Schützlingen eine verlassene Villa am Stadtrand von Budapest. Mit den Kriegswaisen rief er dort die Stadt der Freude aus. Von 1945 bis 1951 währte die selbstverwaltete Kinderidylle inmitten einer vom Krieg verwüsteten... weiter




- © Tristram Kenton

Tanz-Kritik

Mehr Himmel als Hölle3

  • Boris Charmatz mit "10000 gestes" aus Rennes bei den Festwochen.

Unendlich ist die Zahl ausdrücklicher, eindringlicher Gesten im freien Tanz. Boris Charmatz und seine Musée de la danse beschränken sich auf "10000 gestes". Was meint: Wir wollen möglichst viel aus der Enzyklopädie der Körperkunst zeigen. Und hoffen, dass die Explosion der Quantität neue Qualität schaffe... weiter




- © Sabine Klimpt

Kabarett

Zu jung, um alt zu sein

  • Eva Maria Marold und Wolfgang "Fifi" Pissecker singen das Babyboomer-Klagelied.

Wenn Werner Sobotka bei einer Bühnenproduktion die Regie übernimmt, dann ist Trubel garantiert. Auch wenn nur zwei Leute dort vorne oben stehen - in diesem Fall sind es Eva Maria Marold und Wolfgang "Fifi" Pissecker, die nun mit knapp beziehungsweise etwas über fünfzig zueinander gefunden haben. Und sie ergänzen einander in ihrem gemeinsamen... weiter




Kurzfristige Harmonie in Wien Ottakring. - © Bettina Frenzel

Theaterkritik

Kalauer und Knackwurstschwaden19

  • Der Tschaunerbühne gelingt mit "Hotel Tschauner" eine manierliche Modernisierung der Stegreiftradition.

Es gibt nicht viele Theater in Wien, in denen man verlässlich von Knackwurstduftschwaden umhüllt wird. Eigentlich nur eins: die Tschaunerbühne. Am Dienstag wurde die heurige Saison der Stegreif-Freiluftbühne eröffnet. Und zwar mit einer neuen Reihe, die das Genre aus dem Staub der Theatergeschichte ins Heute holen will... weiter




Anne Teresa De Keersmaeker und Jean-Guihen Queyras setzten Bachs Cellosuiten in Tanz um. - © Anne Van Aerschot

Impulstanz 2018

Panoptikum des Tanzes

  • 35. Impulstanz-Festival startet mit Dave St. Pierre.

Wien. (vf) "Gott, ist das schön", ruft Karl Regensburger begeistert nach der Video-Präsentation des diesjährigen Impulstanz-Festivalprogramms am Dienstag. Die 35. Ausgabe zeigt von 12. Juli bis 12. August 50 Produktionen, 15 Uraufführungen, 35 österreichische Erstaufführungen plus 235 Workshops mit 150 Dozentinnen und Dozenten... weiter




Die Teufelsinspiration lässt das Klavier brennen: Andreas Schager (Max, links) und Alan Held (Caspar). - © APAweb, Michael Pöhn

Opernkritik

Hoffmanns Rohrkrepierer24

  • Staatsoper: Im neuen "Freischütz" glänzt nur Andreas Schager in der Hauptrolle, die Regie schießt am Ziel vorbei.

Rumms, da fällt er von der Wand: Kaum hat der zweite Akt begonnen, donnert ein Porträt von Carl Maria von Weber zu Boden - und liegt dort, bis sich ein Mädchen seiner erbarmt. Ännchen, so heißt sie, behebt den Pallawatsch mit einem Kalauer: Der "Alte", sagt sie nach der Reparatur, soll jetzt brav im Bilderrahmen bleiben und keine jungen Frauen mehr... weiter




Hier werden Bären hinterhältig angefixt. - © Anja BeutlerVideo

Wiener Festwochen

Rettet die Junkiebären!4

  • Heitere Kapitalismuskritik: das Funk-Puppenmusical "The 2nd Season".

Man macht sich ja so selten darüber Gedanken, unter welchen Bedingungen etwas produziert wird. Posaunen zum Beispiel. Das weiß man normal gar nicht, aber: Da gibt es einen fiesen Sweatshop, in dem Bären Sklavenarbeit verrichten. Mit einem Topf Honig werden sie an der Kandare gehalten: Wenn sie Honig wollen... weiter




Musiktheater-Kritik

Eine Winterreise oder: Alles für die Katz’3

(irr) Um mit einer Ehrenrettung zu beginnen: Hans Zender hat die "Winterreise" mit seiner Orchesterfassung (1993) nicht verhunzt. Die Verzweiflung, die den Wanderer antreibt, bricht hier zwar manchmal schrill aus. Meist schwelt sie aber auch bei Zender in einem romantischen Klangbild - eine subtile Schubert-Hommage... weiter




Ohren zu und durch: Bruyères  "L'habitude" in den Gösserhallen. - © Foto: Nurith Wagner-Strauss

Performance

Black Panther auf dem Kreuzweg10

  • "L’habitude", Politperformance von Jean Michel Bruyère, bei den Festwochen

Gehörschutz empfiehlt ein Schild vor dem Tor. Wo Jean Michel Bruyère mit der umwerfenden Post-Hardcore-Band "The Fourth is Bearded" überlaut und stumm mit Spruchbandsprüchen sein Memento an Aufstände und Befreiungskämpfe vor fünfzig, sechzig Jahren zelebriert. Er rückt das Leidensmaß der Wiener Heldengeneration aus 68 zurecht... weiter




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Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.