Arcadien als Single-Börse: Kobie van Rensburg inszeniert eine Oper Händels für die Gegenwart.

Opernkritik

Händel im virtuellen Raum

  • Regisseur Kobie van Rensburg und Dirigentin Michi Gaigg zeigen "Atalanta" auf Schloss Greinburg.

Zur Hochzeit des englischen Thronfolgers Friedrich Ludwig von Hannover mit Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg komponierte Georg Friedrich Händel ein Werk, dessen Handlung dem Paar huldigte: "Atalanta". Es lässt sich ein thematischer Bogen spannen zum Schloss Greinburg im Strudengau, wo diese Oper heuer gespielt wird: Die heutigen Besitzer stammen... weiter





Fran ois Chaignaud tanzt und singt en travestie zu spanischen Liedern. - © Nino Laisné

Performance-Kritik

Der Heilige Michael und ein Turmbau zu Babel3

  • Spanische Melodien und Sprachen-Gebrabbel: François Chaignaud und Chris Haring beim Impulstanz-Festival.

Es ist wahrlich ein Kontrast: Melodien aus dem Spanien des 16. und 17. Jahrhunderts, gespielt von einer Liveband, dazu vier simple Prospekte, die im Lauf des Abends hochgezogen werden, um neue Bilder zu schaffen, und Spitzenschuhe, Stelzen sowie folkloristische Kostüme, aber mit modernem Touch. Diesmal gibt es keine wimmernde Geräuschkulisse oder... weiter




Pantomime mit Stricknadeln: Jan Fabres Stück "The generosity of Dorcas". - © Marcel Lennartz

Tanzkritik

Alles Leben ist Veränderung1

Buchstaben und Zahlen sind am Bühnenboden aufgemalt, wie eine Anleitung für ein imaginäres Schnittmuster; von der Bühnendecke baumelt eine gewaltige Installation aus langen bunten Wollseilen samt Nadeln wie eine Farbwelle auf der sonst nachtschwarzen Bühne. Auftritt Matteo Sedda: Im schwarzen, wehenden Fantasiekostüm und strahlendweißen Handschuhen... weiter




Alles verspielt: Brandon Jovanovich als Hermann (rechts). - © Salzburger Festspiele/Monika RittershausVideo

Salzburger Festspiele

Nur die Liebe ist kein Spiel3

  • Eine musikalisch stringente, szenisch plakative "Pique Dame" bei den Salzburger Festspielen.

Die Partitur ist durchzogen von ahnender Düsternis, vom letzten bis zum ersten Takt umkränzt von einem dramatischen Trauerflor. Dass die Tragödie bereits ihren Lauf genommen hat, steht schon beim ersten Ton außer Zweifel. Auch den kleinen Inseln, auf denen für die Dauer eines ewigen Augenblickes in glänzenden Bögen kurz so etwas wie Glück greifbar... weiter




Essen oder Nicht-Essen? Josef Ostendorf, Sophie Rois und Marc Hosemann bei McDonalds. - © apa/B. Gindl

Theaterkritik

Krankheit Leben19

  • Frank Castorf arbeitet sich auf der Perner-Insel grandios an Knut Hamsuns Roman "Hunger" ab.

"Swastika" ist das erste Wort, das an diesem Abend fällt. Swastika benennt jenes jahrtausendealte religiöse Symbol, das die Nationalsozialisten zum Hakenkreuz entstellten. Der Schauspieler Marc Hosemann brüllt das Wort ein ums andere Mal, wie von der Tarantel gestochen tigert er über die Bühne. Nach dem stürmischen "Swastika"-Prolog nimmt "Hunger"... weiter




"Wir sind gut am Weg", sagte Intendantin Elisabeth Sobotka am Freitag beim zweiten Pressetag. Sie zeigte sich zufrieden mit der "sehr gelungenen Eröffnung" mit Beatrice Cenci und der "homogenen, stimmigen" Carmen, für die nur mehr Restkarten erhältlich sind. - © APAweb, DIETMAR STIPLOVSEK

Bregenzer Festspiele zeigen sich zufrieden mit bisheriger Saison1

  • Vorstellungen von "Carmen" waren bisher immer ausverkauft, nur mehr Restkarten erhältlich.

Bregenz. Die Bregenzer Festspiele zeigten sich am Freitag mit dem Verlauf der Festspielsaison sehr zufrieden. Mit der 14. "Carmen"-Aufführung am Freitag werden rund 91.000 Besucher die Inszenierung gesehen haben, alle Aufführungen bisher waren ausverkauft. In der zweiten Hälfte des Festivals stehen nun noch die Uraufführung von "Das Jagdgewehr" und... weiter




Debatte

Veruntreute Werke?9

  • Was bedeutet der Begriff Regietheater am Theater und was in der Oper? Annäherungen an einen hybriden Terminus, der bei den diesjährigen Salzburger Festspielen wieder einmal für Irritationen sorgt.

Regietheater im Schauspiel (pat) Das Schauspielprogramm der diesjährigen Salzburger Festspiele dürfte an diesem Wochenende auf einen Höhepunkt zusteuern, wenn am Samstag Knut Hamsuns Roman "Hunger" von Frank Castorf auf die Bühne gewuchtet wird. Niemand, der das Schaffen des Berliner Regisseurs kennt, glaubt ernsthaft daran... weiter




Hoch die Stelzen: Márcio Kerber Canabarro (vorne), Vania Rovisco. - © Anja Beutler

Tanzkritik

Krieg der Helme

  • Gewitzte Uraufführung von Meg Stuarts "Solos and duets".

Auf Stelzen stolziert ein Tänzer über die leere Bühne des Odeons, sein hoch erhobenes Haupt schützt er mit einem Motorradhelm. Seine Tanzpartnerin trägt Tutu, Motorradschuhe und ebenfalls Helm. Jean-Paul Lespagnards Kostüme sind enigmatisch: Stattet der Designer Außerirdische aus, Cyborgs, Fabelwesen 2.0... weiter




Eine "Walküre" ohne Rest-"Ring": John Ludgren als Wotan beim Feuerzauber von Baku. - © Enrico Nawrath

Opernkritik

Der Lebenswerkbonus gilt hier nicht4

  • Ein spätes Debut: Plácido Domingo wechselte die Seiten und dirigiert in Bayreuth die "Walküre".

Am bislang heißesten Tag des Jahres komplettierte die Wiederaufnahme der "Walküre" aus dem abgespielten Castorf-"Ring" den Spielplan des laufenden Festspieljahrgangs auf dem Grünen Hügel. Deshalb gab es stückbedingt zu den extremen Temperaturen im unklimatisierten Haus auch noch ein loderndes Feuerchen... weiter




Cie Willi Dorner, Int. tanzwochen Wien, Schauspielhaus, Juli, 2018 - © Lisa Rastl, Adnan Popovic

Performance-Kritik

Doppelgänger im Selfie-Stress4

  • Willi Dorner zeigt seine jüngste Arbeit "many" im Schauspielhaus.

"Gut Ding braucht Weile", weiß auch der heimische Choreograf Willi Dorner: International bekannt für seine Performances im öffentlichen Raum stellt er sich mit seiner jüngsten Arbeit "many" - diesmal jedoch im Schauspielhaus - im Rahmen des Impulstanz-Festivals dem Selfiewahn und der omnipräsenten Flut von digitalen Bildern... weiter




Opernkritik

Die Frist ist um . . .1

  • In Bayreuth geht "Der fliegende Holländer" von Jan Philip Gloger in sein letztes Jahr.

In diesem Jahr hätte sich das Publikum gewünscht, dass die Ventilatoren nicht nur als Metapher der modernen industriellen Fertigung die Spinnräder von Frau Mary und ihren Frauen abgelöst, sondern wirklich etwas Wind gemacht hätten. Eine Premierenwoche nährt sich dem Finale, die auch als Hitzetest für den Kreislauf und das Durchhaltevermögen des... weiter




Gutenstein-Intendantin Andrea Ecker. - © Joachim Kern

Theaterkritik

Verjuxtes Vermögen

  • Veronika Glatzner zeigt "Der Verschwender" bei den Raimundspielen Gutenstein.

In einer Welt, in der das Ansehen fast ausschließlich auf wirtschaftlichem Erfolg beruht, ist ein Stück wie Raimunds "Der Verschwender" ein wahrer Glücksfall. Das Zauberspiel handelt vom Millionär Flottwell, der sein ganzes Vermögen verjuxt, nur sein Diener Valentin hält dann noch zu ihm. Bei den Raimundspielen Gutenstein bringt Holger Schober die... weiter




Schlafen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Möglich ist das im Wiener Ateliertheater. - © APAweb, Herbert NeubauerVideo

Night On Stage

Eine Nacht im Theater3

  • Das Wiener Ateliertheater funktioniert die Bühne zum Schlafzimmer um.

Wien. Die Atmosphäre eines leeren Theaters können Gäste im Wiener Ateliertheater erleben. Für 450 Euro legen die Leiterinnen Talita Simek und Aleksandra Andrejewna die Schlüssel der Kleinbühne eine Nacht lang in die Hände ihrer Gäste. Noch bis 6. September kann eine Übernachtung für zwei Personen gebucht werden - inklusive Film-Screening... weiter




Heuer reifer: Katharina Wagners Regie von "Tristan und Isolde", mit Stephen Gould und Petra Lang. - © Nawrath/Bayreuther Festspiele

Opernkritik

Liebesdunkel und Meisterpracht4

  • Wiederaufnahmen in Bayreuth: eine gereifte Sicht auf "Tristan und Isolde" und "Meistersinger" als quicklebendige Komödie.

Für Barrie Kosky war die Wiederaufnahme seiner "Meistersinger" aus dem Vorjahr ein Triumph. Katharina Wagner dürfte sich dagegen im dritten Jahr an die vernehmlichen Gegenstimmen zu ihrem "Tristan" gewöhnt haben. Dabei kommt ihr ein Effekt zugute, der sich in Bayreuth öfter beobachten lässt: Die Inszenierung hat bei der Wiederaufnahme den... weiter




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Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.