Kriegsveteran Will (Ben Foster) und seine Teenager-Tochter Tom (Thomasin McKenzie) leben in der Wildnis. - © Sony Pictures
Kriegsveteran Will (Ben Foster) und seine Teenager-Tochter Tom (Thomasin McKenzie) leben in der Wildnis. - © Sony Pictures

Wien. Ein Vater und seine Tochter leben allein im Wald. Sie haben sich von der Gesellschaft, wie wir sie kennen, verabschiedet, sammeln ihr Trinkwasser lieber in einer aufgespannten Plastikfolie und machen Feuer mit Steinen. Der Grund: Vater Will (Ben Foster) ist vom Krieg schwer traumatisiert, verarbeitet seine Gefühle in der Wildnis. Niemand soll die beiden finden, doch ganz ohne Spuren zu hinterlassen, funktioniert das in "Leave No Trace" (ab Freitag im Kino) von Debra Granik dann doch nicht: Die Polizei greift Will und seine Teenager-Tochter Tom (Thomasin McKenzie) auf; im Erdunterschlupf zu hausen, mitten in den Vereinigten Staaten, das geht nicht, die Zeit der Outlaws ist (angeblich) vorbei. Um Vater und Tochter wieder in die Gesellschaft einzugliedern, versuchen Behörden und Betreuer einiges: Will bekommt einen Job als Forstarbeiter, Tom soll die Schulbank drücken. Während sie sich nach Stabilität sehnt, kommt ihr Vater mit der neuen "Ordnung" nicht zurecht.

"Wiener Zeitung":Ms. Granik, Ihr Film basiert auf einer wahren Geschichte.

Debra Granik:Ja, das stimmt. In Portland, Oregon, lebte ein Vater mit seiner Tochter wirklich jahrelang unbemerkt in einem Wald unweit der Großstadt, und es kam zu einem Polizeiaufgriff, wie in meinem Film. Nur dann verliert sich die Spur der beiden. Was mit ihnen geschehen ist, weiß man nicht. Der Fall wurde versiegelt, weil es darin um eine Minderjährige ging, die man schützen wollte. Peter Rock, der Autor der Romanvorlage, dachte sich also aus, was hätte passieren können.

Debra Granik ist Regisseurin des Aussteiger-Dramas. - © afp
Debra Granik ist Regisseurin des Aussteiger-Dramas. - © afp

Mr. Foster, Sie sind bekannt dafür, sich für Rollen penibel vorzubereiten. Haben Sie ein Überlebenstraining absolviert?

Ben Foster: Selbstverständlich! Ich bin in einer sehr waldreichen, ländlichen Gegend aufgewachsen, deshalb kann ich die Liebe dieser Figur zum Wald und zur Natur sehr gut nachvollziehen. Der Wald ist in unserer hektischen Alltagswelt für mich fast so etwas wie eine Medizin. Ich kann nur jedem empfehlen, selbst einen Kurs in Überlebenstraining zu machen. Das erdet einen ungemein, weil es dabei um die grundlegenden Dinge im Leben geht: Woher bekomme ich Wasser? Woher bekomme ich Essen? Wenn man in unserer Glamour-Scheinwelt die Leute beobachtet, wie sie daran verzweifeln, dass die Lachshäppchen bei der Filmparty ausgegangen sind, dann rate ich denen: Geht in den Wald und macht dieses Training.