• vom 24.11.2018, 08:30 Uhr

Film


Weihnachten

Die Granden des Christkindgrolls




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Von Christina Böck

  • Es riecht zu sehr nach Punsch, es klingt zu sehr nach Bing Crosby: Weihnachtshasser haben derzeit nicht nur im Kino Saison.

Der Grinch hegt Ressentiments gegen den Weihnachtsmann. Er ist nicht allein. - © Universal

Der Grinch hegt Ressentiments gegen den Weihnachtsmann. Er ist nicht allein. © Universal

Gesegnet sind die Weihnachten nicht gerade, die im Song "This Christmas" von der Band Set it Off vonstattengehen. Denn der Song hat noch einen Untertitel, und der lautet: "I’ll burn it to the ground". Der Protagonist des Musikstücks, der nicht viel von "dieser schrecklichen Zeit" hält, herrscht erstmal beseelte Schallalala-Adventlied-Sänger an, um dann mitzuteilen, dass er diesen Schneeblödsinn gar nicht haben kann und es ihn gewaltig anstinkt, dass seine reichen Nachbarn ihm unter die Nase reiben, welche tollen Geschenke sie bekommen haben. Aber er hat da so eine Idee, wie er seinen Seelen-"Frieden" wiederherstellen kann, und das involviert Einbrüche in die saisonal geschmückten Wohnzimmer dieser Nachbarn, bevorzugt durch den Kamin, weil sarkastisches Santa-Claus-Zitat, wo er sich der teuren Packerl inklusive Baum bemächtigt. Das Ganze stapelt er dann zu einem glitzernden und blinkenden Scheiterhaufen, der dank Tannenbeteiligung ein formidables Feuerchen ergibt.

Nun wissen natürlich Weihnachtshass-Geschulte, dass dieses Szenario mitnichten originär auf dem Mist der Rocker gewachsen ist. Denn die orientieren sich auch nur an einer übellaunigen Figur, die das ganze Weihnachtsdiebstahlspektakel schon viel früher durchgezogen hat: dem Grinch. Die koboldartige Figur mit dem rebellischen, aber überschaubaren Haarschopf und den flauschigen Spitzfingern ist angelsächsischen Kindern schon in frühen Jahren ein Begriff, bei uns wurde er 2000 durch eine zuckerlbunte Verfilmung populärer.


Konsumkritik in Reimen
Der geniale Dr. Seuss, sein voller Name war Theodore Seuss Geisel, erfand den Grinch 1957. Seuss ist nach wie vor einer der beliebtesten Kinderbuchautoren, seine in höchstens zweifarbigen Illustrationen und mit Liebe zum absurden Detail geschaffenen bizarren Figuren gehören zum Kanon für englischsprachige Betthupferllesungen. Auch weil sich seine Reime hervorragend zum Memorieren eignen - ob man will oder nicht. Wann kann man seinem Zweijährigen schon noch etwas im Versmaß des Anapäst vortragen - wie es im "Grinch" der Fall ist? Dabei verbindet Dr. Seuss mühelos banale Reime mit subversiver Konsumkritik, der Raub der Weihnachtsgeschenke klingt so: "Then he slithered and slunk, with a smile most unpleasant,/ Around the whole room, and he took every present!/ Pop guns! And bicycles! Roller skates! Drums!/ Checkerboards! Tricycles! Popcorn! And Plums!/ And he stuffed them in bags. Then the Grinch, very nimbly,/ stuffed all the bags, one by one, up the chimbley!"

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-23 17:19:25
Letzte Änderung am 2018-11-23 17:25:25



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