Viel wird man davon wohl nicht merken in der Neuverfilmung, die kommende Woche in die Kinos kommt. Die Gründe, warum der Grinch Weihnachten hasst, sind aber dieselben. Unter anderem schmeckt ihm das fröhliche Weihnachtsliedersingen nicht. Und da geben ihm ja so manche reale Weihnachtshasser ein geschmeidiges High-Five im Sternderl-Fäustling.

Die immer früher einsetzende Intensivbeschallung mit "Last Christmas" und "White Christmas" enerviert mittlerweile viele, die dem Fest ansonsten wohlgesinnt sind. Die sich aber zunehmend fragen, wie lang kann man brauchen zum "Driving Home for Christmas", wenn man offenbar schon Ende August aufbricht? Natürlich unterstützt die musikalische Gehirnwäsche vor allem den Konsum, denn vorzugsweise in Institutionen des Geldausgebens ist man der Jinglebellisierung schutzlos ausgeliefert.

Allgemeine Punschpflicht

Die Pervertierung des Weihnachtsfestes zur sinnlosen Kauforgie - der Ansturm umtauschwütiger Beschenkter auf Geschäfte am 27. Dezember beweist es - ist ein weiterer Grund dafür, dass mancher seinen Enthusiasmus für Weihnachten gedämpft hat. Dazu kommt die an vielen Orten ab Mitte November fliegend eingeführte Punschpflicht und die schreiende Beleuchtung jedes verfügbaren Baumes und Balkongeländers. Von den ramponierten Einbrecher-Weihnachtsmännern an den Fassaden von Flötzersteig bis Favoritenstraße gar nicht zu reden.

Der Weihnachtshasser an sich ist allerdings keine sehr originelle Figur. Denn im Grunde kann es nur einen geben. Den Urvater der Türkranz-Verachter, Lichterketten-Durchschneider und Christbaumhäcksler, den Ahn der Humbug-Verfechter: Ebenezer Scrooge. "Wenn es nach mir ginge, dann sollte jeder Idiot, der ,Fröhliche Weihnachten‘ wünscht, mit seinem eigenen Christmas Pudding gekocht werden und hernach begraben werden mit einem Stechpalmenzweig durch sein Herz." Klingt ein bisschen nach der Slasher-Horrorfilm-Variante vom Grinch, sind aber die Worte, die Charles Dickens seinen Christmasgrantscherm sagen lässt.

Wo man hinschaut: Scrooge

Ob es Zufall ist, dass ausgerechnet heuer Scrooge auffallend präsent ist? In Wien gibt es - abgesehen von der traditionellen "Bescherung" im Café Prückel - noch zwei Bühnenshows über den Geizhals mit Geisterbesuch, einmal mit den Münchner "Tatort"-Kommissaren Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl in der Stadthalle, und einmal als Musical im Museumsquartier. Und bereits diese Woche ist im Kino der Film "Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand" angelaufen. Der erzählt die Entstehung der Erzählung und lässt auch einen so verdrießlichen wie schlagfertigen Christopher Plummer in der Scrooge-Rolle als Dickens’ Vision beim Schreibprozess mitreden.

Für alle, die sich ein Beispiel am Stechpalmen-Killer Scrooge nehmen, gibt es heuer sogar einen eigenen Adventkalender. Hinter jedem Türchen steckt ein Pechkeks (die schwarzteigige Alternative zum Glückskeks), darin Zettelchen mit "virtuosen Beleidigungen und zappendusteren Zukunftsaussichten", die das Herz jedes Misanthropen erfreuen. Wer dann noch ein Aperçu für das Griesgram-Ghetto auf der Büroweihnachtsfeier braucht: Das dachte Schriftsteller George Bernard Shaw über Weihnachten: "Wie alle intelligenten Menschen mag ich Weihnachten nicht. Es ist eine scheußliche Institution. Wir müssen gefräßig sein, weil Weihnachten ist. Wir müssen betrunken sein, weil Weihnachten ist. Wir müssen unaufrichtig großzügig sein. Wir müssen Dinge kaufen, die niemand will, und sie Menschen schenken, die wir nicht mögen. Alles nur, weil Weihnachten ist!"

Als der Grinch freilich merkte, dass Weihnachten auch ohne die von ihm gestohlenen Geschenke passiert, schwoll ihm sein um zwei Größen zu kleines Herz an. Allzu sehr sollte man sich also nicht ausruhen auf dem Christkindgroll: Denn allen Weihnachtshassern ist eins gemein. Allesamt wurden sie bekehrt. Mancher angeblich sogar allein von einer saisonal-kitschigen Telekomanbieterwerbung.