Bernardo Bertolucci (Mitte) beim Drehbuch-Gespräch mit Maria Schneider und Marlon Brando am Set von "Der letzte Tango in Paris". - © Ronald Grant Archive/Mary Evans/picturedesk.com
Bernardo Bertolucci (Mitte) beim Drehbuch-Gespräch mit Maria Schneider und Marlon Brando am Set von "Der letzte Tango in Paris". - © Ronald Grant Archive/Mary Evans/picturedesk.com

Paris, 1968: Ein junger Amerikaner trifft inmitten der Proteste für den Kinovordenker Henry Langlois auf die hübsche Isabelle und ihren Zwillingsbruder Theo. Zu dritt ziehen sie sich in eine Pariser Wohnung zurück, während draußen eine Revolution stattfindet. Es folgt ein sinnliches Spiel mit Sex, Lust, Liebe, jugendlichem Übermut und einer leidenschaftlichen Faszination für das Kino.

Es ist, als hätte Bernardo Bertolucci, der am Montag nach langer Krankheit starb, in seinem Film "Die Träumer" aus dem Jahr 2003 all seine Lebensthemen und vor allem seine Motivation, Filme zu machen, zusammengefasst. "Die Träumer" des 1941 geborenen italienischen Regisseurs ist wie eine Spurensuche in Bertoluccis Jugendzeit, die ihn und vor allem seinen Geschmack für das Kino entscheidend prägten.

Vorbild Godard

Der Film enthält unzählige Referenzen und cineastische Zitate zur Nouvelle Vague und vor allem zu Jean-Luc Godard, den Bertolucci immer als sein Vorbild nannte. Er war Regieassistent bei Pasolini, als er mit nur 21 Jahren die Chance erhielt, mit "La commare secca" (1962) seinen ersten Film zu drehen: Schon damals dominierten lange Kamerafahrten seinen filmischen Stil, etwas, das er später mit seinem langjährigen Kameramann Vittorio Storaro perfektionierte (wobei Bertolucci immer selbst das Bild komponierte, Storaro zum Lichtsetzer "degradierte").

Auch sein zweiter Film "Vor der Revolution" (1964) war unübersehbar von Godard und der Nouvelle Vague geprägt, noch stärker wurde diese Imitation in "Partner" (1968). Die formale und theoretische Auseinandersetzung mit dem Kino als Ort, der allein für das Kino selbst existiert, eine Verkopfung der Kunstform im experimentellen Sinne, brachte (schon damals) keine Zuschauermassen, was Bertolucci in Depressionen stürzte. Seine großen Epen, die darauf folgten, etwa "1900" (1976), "Der letzte Kaiser" (1987) oder "Little Buddha" (1993), sind wie Ausbrüche aus dem Chaos des Experiments, hin zu einem Kino, das sich selbst mit großer Zugänglichkeit feiert und dessen Ziel es ist, über die Maßen zu glänzen. Wiewohl "1900" wegen seiner Länge von fünfeinhalb Stunden kein Publikumserfolg wurde und auch "Little Buddha" floppte.

Für "Der letzte Kaiser" über den letzten chinesischen Imperator, der im Alter von drei Jahren an die Macht kam, wurde Bertolucci hingegen mit neun Oscars überhäuft, darunter waren auch der Regie- und der Drehbuch-Oscar. Es war ein großes Epos, das Bertolucci immer wieder daran erinnerte, "wieso ich immer Filme machen wollte".