Wien. Hört man seinen Namen, klingt seine Stimme unweigerlich im Ohr, diese tiefe, samtweiche Stimme, mit der er wöchentlich seinen "Schalldämpfer" auf Ö1 intonierte. Doch ganz abgesehen davon verheißt der Name Axel Corti auch ein ungemein reiches Oeuvre an österreichischen Filmen. Nach einer Rückschau auf Karin Brandauers Werk widmet sich das Filmarchiv Austria im Wiener Metrokino ab Freitag nun mit Corti einem weiteren wichtigen Vertreter des österreichischen (Fernseh-)Films der 1970er und 1980er Jahre, und zwar aus Anlass seines 25. Todestags am 29. Dezember. Es sind allesamt auch relevante Filme in Hinblick auf die historische Aufarbeitung österreichischer Zeitgeschichte, oder Literaturverfilmungen, die Corti mit großer Leidenschaft inszenierte.

Erfinder des Fernsehspiels

Die Karriere des 1933 bei Paris geborenen Corti begann Mitte der 50er Jahre im Landesstudio Tirol als Sprecher beim Radio, später als Leiter der Hörspielabteilung, ehe er nach Wien übersiedelte und hier neben Regieassistenzen an der Burg bald auch die ersten eigenen Fernsehfilme inszenierte. Zusammen mit dem damaligen ORF-Generaldirektor Gerd Bacher gilt Corti als Erfinder des österreichischen Fernsehspiels, das Anfang der 1960er Jahre aus einem Dornröschenschlaf erweckt wurde und plötzlich große Relevanz entwickelte. Cortis erster großer Auftrag war "Der Fall Jägerstätter" (1971), mit dem er bereits einen wesentlichen Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung im Nachkriegs-Österreich leistete. Auch in "Ein junger Mann aus dem Innviertel - Adolf Hitler" (1973) konfrontiert Corti sein Publikum mit einem Psychogramm Hitlers und schlüsselt auf, wie Hitler sein Gedankengut aus einem großen Bottich kollektiver Volksbefindlichkeiten destillierte. Der Filmtheoretiker Drehli Robnik wird zum Thema "Axel Cortis filmische Geschichtspolitik zum (Post-)Nazismus" am 15. Dezember im Metrokino einen Vortrag halten (18 Uhr, Eintritt frei).

Corti drehte mindestens einen Film pro Jahr, viele davon wurden auch ins Kino gebracht, obwohl sie eigentlich für das Fernsehen konzipiert wurden. Dabei war Corti nicht nur als Chronist der Vergangenheit tätig, sondern verortete viele seiner Arbeiten im Heute, um damit gegenwärtige Zustände abzubilden, etwa in den Arbeiten "Totstellen" (1975), "Herrenjahre" (1983) oder "Der Bauer und der Millionär" (1977). Zugleich übersetzte Corti literarische Klassiker für die Leinwand, darunter Werfels "Eine blassblaue Frauenschrift" (1984) oder "Jakob der Letzte" (1976) nach Peter Rosegger.

In den 1980er Jahren schaffte Corti mit der Trilogie zu Georg Stefan Trollers "Wohin und zurück" auch international den Durchbruch als Filmregisseur. Darin zeichnet er das Porträt von Menschen, die dem Nazi-Terror zu entrinnen versuchen; einprägsam und erschütternd hat Corti den Zuschauern hier die Todesangst der Flüchtenden spüren lassen.

Erfolge in Frankreich

Der dritte Teil der Trilogie, "Welcome to Vienna" (1986) wurde zu einem großen Filmerfolg in Frankreich, nachdem ihn die "Cahier du cinéma" entdeckt hatten: Corti sei "ein Cineast, der sich die Klarheit zum Leitbild gemacht hat", schrieb der "Cahiers"-Kritiker damals.

Cortis Kinoproduktion "Die Hure des Königs" (1990), eine große internationale Produktion, die in Cannes Premiere feierte, wurde eher verhalten aufgenommen. Mit seinem letzten Großprojekt "Radetzkymarsch" (1993/94) nach dem Roman von Joseph Roth, schrieb Corti noch einmal Fernsehgeschichte; sein Herzensprojekt konnte er jedoch nicht mehr vollenden, da er nach etwa zwei Drittel der Drehzeit an Leukämie verstarb. Sein Kameramann Gernot Roll stellte den Film nach Cortis Plänen fertig. 140 Millionen Schilling Filmbudget und mehr als 3000 Statisten sorgten für ein opulentes TV-Ereignis: Der Abgesang auf die Donaumonarchie war Cortis Vermächtnis und enthielt die Essenz seines Schaffens: Er verhandelt die Unwegsamkeiten des Menschseins in historisch bedeutenden Zeiten.