• vom 15.12.2018, 08:30 Uhr

Film

Update: 15.12.2018, 10:04 Uhr

Interview

"Der Film ist kein politisches Manifest"




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Von Matthias Greuling

  • Ilya Stewart hat Kirill Serebrennikows "Leto" produziert und spricht über den Hausarrest seines Landsmannes.

Liebe und Rockmusik in alten Sowjetzeiten: Kirill Serebrennikows "Leto" kommt in die Kinos. - © Filmladen

Liebe und Rockmusik in alten Sowjetzeiten: Kirill Serebrennikows "Leto" kommt in die Kinos. © Filmladen

"Absurd": Ilya Stewart über den Hausarrest.

"Absurd": Ilya Stewart über den Hausarrest.© Katharina Sartena "Absurd": Ilya Stewart über den Hausarrest.© Katharina Sartena

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow steht seit August 2017 unter Hausarrest. Kein TV, kein Internet, nur Telefonate mit Anwälten und Familie. Man wirft ihm die Hinterziehung und Veruntreuung von Millionen Rubel an Subvention vor, doch daran will niemand so recht glauben: Der Putin-kritische Serebrennikow solle durch den Hausarrest mundtot gemacht werden, heißt es. Die Einzelhaft beeinträchtigt immerhin seine Kunst nicht: Eine Operninszenierung aus der Ferne für Zürich, ein Ballett zu Nurejew und mit "Leto" ("Sommer") ein Spielfilm, der diese Woche in die Kinos kommt - all das hat der Künstler von daheim fertiggestellt oder entwickelt. Sein Produzent Ilya Stewart sprach über russische Rockmusik und seine Sorgen um den Freund Kirill.

"Wiener Zeitung":Mitten in den Dreharbeiten zu "Leto" wurde Kirill Serebrennikow verhaftet. Ein Schock für das Team?


Ilya Stewart: Ja. Es passierte ziemlich am Ende, als noch ein paar Drehtage zu bewältigen waren. Wir haben uns gerade die Muster angesehen, es war der 22. August 2017, dann gingen wir alle zu Bett in einem Hotel, und am nächsten Morgen war er nicht mehr da. Man brachte ihn per Auto von St. Petersburg nach Moskau. Niemand weiß den wahren Grund, weshalb er festgenommen wurde. Es gibt viele Theorien, aber keiner kennt die Hintergründe. Die letzten Drehtage konnten wir schließlich aufgrund von Kirills präziser Vorbereitung und seiner bereits abgehaltenen Proben durchführen.

Man wirft Serebrennikow vor, zwischen 2011 und 2014 mehr als 68 Millionen Rubel unterschlagen zu haben. Sie haben diese Vorwürfe als lächerlich bezeichnet.

Absurd würde ich eher sagen. Er habe Staatsgelder veruntreut, hieß es. In einem nicht abgeschlossenen Fall ist es schwierig, sich dazu zu äußern. Aber meine persönliche Meinung ist klar: Es ist falsch, was man Kirill vorwirft.

Es steht eine zehnjährige Freiheitsstrafe im Raum.

Ich glaube, das stimmt. Seine Situation ist indes unhaltbar. Kirill darf nicht mit der Außenwelt kommunizieren. Es gibt kein Internet, kein Telefon. Nur sein Anwalt und fallweise seine Familie dürfen mit ihm reden. Er darf zwischen 18 und 20 Uhr in den Garten, um frische Luft zu schnappen. Er ist wie ein Häftling. Aber Sie müssen sich das einmal vorstellen: Kirill hat aus seinem Hausarrest heraus diesen Film und weitere Projekte fertiggestellt.

"Leto" zeichnet ein Porträt der russischen Rockmusik kurz vor Beginn der Perestroika in den frühen 80er Jahren, einer Ihrer Protagonisten war Wiktor Zoi. Wie nahe war Ihnen diese Musik?

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-14 17:25:58
Letzte Änderung am 2018-12-15 10:04:40



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