Im Spätsommer 2010 nimmt ein 12-jähriges Mädchen am Interviewtisch in einem Garten am Lido von Venedig Platz und sagt: "Ich wollte immer schon vor der Kamera stehen, denn für mich gab es nie etwas Faszinierenderes als die Welt der Schauspieler." Kindliches Gebrabbel? Mitnichten. Elle Fanning hieß die junge Dame, die schon damals glänzend präzise und druckreif formulierte, als sie nach der Premiere von Sofia Coppolas "Somewhere" vor der Weltpresse ganz natürlich und völlig ohne Berührungsängste aus ihrem Leben erzählte, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, Hauptrollen in Hollywood-Produktionen zu spielen.

Elle Fanning, das muss ergänzt werden, kannte es einfach nicht anders. Schon damals nicht. Denn ihre Schwester Dakota Fanning, die um vier Jahre älter ist, kannte man schon im Kindesalter in ganz Hollywood, und da war der Weg vor die Kamera für Elle auch nicht weit. Dakota, die in "I Am Sam" (2001) an der Seite Sean Penns ihren Durchbruch feierte, war zugleich auch Elles Startrampe: Im selben Film taucht Elle im Alter von gerade einmal zwei Jahren in ihrem ersten Spielfilm auf. "Ich bin deshalb vor der Kamera gelandet, weil man mich in ‚I Am Sam‘ als eine jüngere Version von Dakota besetzte, was ich natürlich nicht wirklich mitgekriegt habe. Aber irgendwie habe ich wohl damals schon Feuer für diesen Beruf gefangen", sagt Elle Fanning.

"Mary Shelley": Fanning (2.v.l.) als werdende Schriftstellerin. - © polyfilm
"Mary Shelley": Fanning (2.v.l.) als werdende Schriftstellerin. - © polyfilm

Heute ist sie 20 Jahre alt und kann inzwischen auf eine Vielzahl renommierter Produktionen zurückblicken: Ihr Spiel an der Seite von Stephen Dorff in Sofia Coppolas "Somewhere" half dabei, dass der Film in Venedig den Goldenen Löwen erhielt und Elle als neues Gesicht etablierte. Schon davor drehte sie 20 Produktionen, darunter Serienauftritte in "Criminal Minds" oder "Law & Order".

Drehs mit Top-Regisseuren

Nach "Somewhere" entdeckte das (anspruchsvolle) Hollywood-Kino die junge Frau mit dem elfenhaften Wesen. Sie war unter anderem in J.J. Abrams‘ "Super 8", an der Seite von Angelina Jolie in "Maleficient", in Nicolas Winding Refns "The Neon Demon" und in Coppolas "The Beguiled" zu sehen. Und all dass, weil Elle findet, der Schauspielerberuf ist besonders, "weil man dann Persönlichkeiten spielen kann, von denen man im echten Leben kilometerweit entfernt ist". Vielleicht (und vermutlich) stecken aber auch besonders ehrgeizige Eltern hinter der Star-Fabrik Fanning: Joy und Steve Fanning haben die Ambitionen ihrer Töchter jedenfalls tatkräftig unterstützt. Man könnte meinen, die beiden Geschwister wurden geboren, um Stars zu sein.