Hollywood. Eigentlich waren Lady Gaga und Bradley Cooper ja als aussichtsreichstes Siegerpaar zu den Golden Globes gekommen, und wenn man den Buchmachern geglaubt hätte, hätte man bei der 76. Verleihung der Golden Globes ganz schön viel Geld verloren, hätte man auf den Favoriten gesetzt. Mit fünf Nominierungen war "A Star Is Born" von Regie-Neuling Cooper ins Rennen gezogen - die Romanze brachte nicht nur die erste große Kinorolle von Lady Gaga als aufstrebende junge Sängerin, sondern auch herzzerreißende Lovesongs, gemacht für die Ewigkeit.

Die Songs waren dann schließlich das Einzige am Film, das die Hollywood-Auslandspresse für preiswürdig erachtete. Für "Shallow" erhielt Lady Gaga den Globe für den besten Song. Sie darf sich - der Signalwirkung der Globes an die Oscars sei Dank - in derselben Kategorie nun auch einen Oscar erhoffen.

Überraschende Siegerfilme

Glenn Close gewann für "The Wife" einen Golden Globe. - © afp
Glenn Close gewann für "The Wife" einen Golden Globe. - © afp

Der Abend im Beverly Hilton, wie immer in launiger Dinner-Atmosphäre ausgetragen, brachte noch mehr Überraschungen, die man so nicht erwartet hatte: Die Preisträger wurden bunter, den oder die großen Abräumer gab es nicht, dafür auch Auszeichnungen für Filme, die man nicht auf der Rechnung hatte: So zog mit "Bohemian Rhapsody" über Queen-Sänger Freddie Mercury ein Film aufs Podest im Bereich bestes Drama und bester Hauptdarsteller (Rami Malek), dessen Thema die Amerikaner deutlich weniger interessieren dürfte als etwa die Europäer. Die Band Queen war in den 1980er Jahren in den USA kaum mehr präsent, als sie in Europa ihre größten Erfolge feierte. Möglicherweise ist der Sieg von "Bohemian Rhapsody" also damit zu erklären, dass viele der rund 100 Globes-Juroren, der Hollywood-Auslandspresse, Europäer sind, die mit Queen durchaus mehr vertraut sind als ihre US-Kollegen. Was wiederum den Umkehrschluss zuließe, dass dieser Film bei den kommenden Oscars, den die US-Filmbranche wählt, eher chancenlos sein dürfte. Mercury-Darsteller Malek hat den Preis jedenfalls absolut verdient.

Ganz überrascht von ihrer inzwischen dritten Globes-Statue war die längst im Legendenhain beheimatete Glenn Close. Die 71-Jährige erspielte sich den Globe als beste Drama-Darstellerin mit "The Wife", in dem sie die Ehefrau eines Schriftstellers gibt, die sich erst nach vielen Jahren gegen den egoistischen Ehemann auflehnt. "Frauen sollten ihren Träumen folgen", sagte Close bei der Preisverleihung - und erinnerte damit auch an das bereits im Vorjahr im Zeichen der "#MeToo"-Debatte ausgegebene Motto von mehr Frauenpower in Hollywood. Viele an diesem Abend nahmen noch Bezug darauf oder zeigten ihre Solidarität, und sei es nur mit einem "Time’s Up"-Anstecker am Revers.