Wien. Wim Wenders hat neben seiner Weltkarriere als Filmregisseur auch noch eine zweite Leidenschaft: das Fotografieren. Das Filmarchiv Austria widmet Wenders daher im Metrokino eine umfassende Werkschau mitsamt einer Ausstellung früher Fotografien des Künstlers aus den 60er bis 80er Jahren. Die "Wiener Zeitung" traf Wenders zum Gespräch.

"Wiener Zeitung": Herr Wenders, viele Ihrer ausgestellten Fotos sehen aus wie die Standbilder aus Ihren späteren Filmen.

Wim Wenders: Das kann ja kein Zufall sein (lacht). Aber das merkt man alles erst hinterher. Als ich diese Fotos machte, war nie der Gedanke da, sie jemals zu zeigen. Mich hat immer der Akt des Fotografierens mehr interessiert als das eigentliche Bild. Das hat meine Empfindungen geschärft, und dieser Akt, ein Bild zu machen, ist ein anderes Gefühl, als wenn man eine Landschaft beispielsweise nur gesehen hätte, aber nicht fotografiert. Dass manche der Bilder so aussehen wie aus einem Film von Wim Wenders, hat den Ursprung darin, dass ich sowohl beim Filmen als auch beim Fotografieren vieles der Malerei verdanke und dass sie der Nährboden für beides gewesen ist. Das meiste habe ich von den großen Malern gelernt.

Haben Sie den Bildern, die Sie vorgefunden haben, die Ästhetik gegeben oder haben Sie eine vorgefundene Ästhetik lediglich dokumentiert? Hat Fotografieren also für Sie eine narrative oder eine dokumentierende Funktion?

Der ästhetische Vorgang ist meist unbewusst, er kommt aus all dem, was man gelernt hat. Ich hatte schon mit sechs Jahren meine erste Kamera bekommen, und seit damals lerne ich von den Bildern, die man sieht, von Malern, von Zeitungen, Zeitschriften, und vom Kino, das ich erst viel später entdeckt habe. Wie dann diese Erfahrungen letztlich in die Hände kommen, die das Bild dann machen, ist schwer zu sagen. Zu Ihrer Frage: Es ist eine Mischung aus beiden, aus dem, was man dazutut, und aus dem, was man einrahmt. Was außerhalb des Bilderrahmens ist, wird vergessen sein, was im Bild zu sehen ist, wird ästhetisch überhöht. Zugleich ist es das Wesentliche, was man vor Ort gesehen hat. Beides ist aber nicht trennbar.

Wieso endet die Fotoschau in den 80er Jahren?