Er hätte der nächste Steven Spielberg werden können. Ein Wunderkind im Regiesessel. So klangen die Stimmen rund um die Jahrtausendwende, wenn es um den indischstämmigen US-Regisseur M. Night Shyamalan ging. Der Filmemacher, der seine Karriere in jungen Jahren mit einer Super-8-Kamera gestartet hatte und einen Abschluss der renommierten New York University Tisch School of the Arts besitzt, hatte sich einen Namen mit seinem Hang zu übernatürlichen Handlungen und überraschenden Twists gemacht. Für "The Sixth Sense" wurde er bei der Oscar-Verleihung im Jahr 2000 gleich mit sechs Nominierungen bedacht. Darunter Bester Film, Bester Regisseur und Bestes Original-Drehbuch.

Danach folgte die ebenso positiv aufgenommene Arbeit "Unbreakable" (2000), ein Mystery-Thriller, der in einen Superhelden-Origin umschlägt, der Alien-Invasion-Film "Signs" (2002) und das bereits deutlich schwächere "The Village" (2004). Shyamalan war auf dem Hollywood-Olymp angekommen, traf sich zu Gesprächen mit seinem Jugendidol Steven Spielberg über ein mögliches "Indiana Jones"-Skript und wurde in Verbindung mit der in den frühen Nullerjahren anlaufenden "Harry Potter"-Filmreihe gebracht.

Gescheitert am eigenen Format

Doch der Erfolg als Kritiker-Darling sollte nicht halten. Nach "The Village", das die Rezensionen bereits für den enttäuschenden Twist gescholten hatten, folgte eine Periode, die Shyamalan fast vors Karriere-Aus gestellt hätte. Kritiker tadelten "Lady in the Water" (2006) als prätentiös und lächerlich, Shyamalan erhielt seine ersten zwei Razzies, den Anti-Oscar. Dem folgte das noch schlimmer verrissene "The Happening" (2008).

Den Tiefpunkt seiner Karriere erreichte Shyamalan mit "The Last Airbender" (2010), für den er fünf Razzies gewann, und "After Earth" (2013), ein Geistesprodukt von Schauspieler Will Smiths, um seinen Sohn Jaden zum Star zu machen. Ab diesem Zeitpunkt war Shyamalan ein rotes Tuch bei Verleihern.

Doch wie hatte es so weit kommen können? Der Mann, der Genres wie Geistergeschichten, Superhelden und Alien-Invasionen einen neuen Spin gegeben hatte, schien sich an seiner eigenen Formel abgenützt zu haben. Die Twists wurden zu einem Running Gag unter Kinogehern und stießen auf wenig Gegenliebe bei den Kritikern. Michael Agger etwa schrieb 2004 im US-Online-Magazin "Slate", dass sich ein Shyamalan-Film wie eine abgelehnte "Twilight Zone"-Folge anfühlen würde.