Die Frauen dürfen das Geld nicht behalten, das meiste fließt an die "Madame". Außerdem ist Billig-Sex so wie Billig-Kleidung: Es geht um Ausbeutung. Die Preise sind deshalb niedrig, weil jemand dabei draufzahlt. Es kommt auch darauf an, wo die Frauen arbeiten: Auf der Straße werden nicht mehr als 30 bis 50 Euro pro Freier zu machen sein. Die Madame nimmt den Löwenanteil, denn nach ihrer Rechnung schuldet die Prostituierte ihr ja mehrere zehntausend Euro, weil sie sie nach Europa geholt hat. Was natürlich Schmafu ist, denn die Madame hat möglicherweise 2000 Euro dafür ausgegeben, die Frau nach Europa schleppen zu lassen, will aber jetzt 40.000 Euro.

Was passiert den Frauen, die aussteigen wollen?

Die meisten trauen sich gar nicht, das zu versuchen, weil sie sich vor einem Fluch fürchten. Ein Voodoo-Fluch, der ihnen den Tod verheißt, sobald sie aussteigen. Aus unserer Perspektive ist dieser Fluch bloß Aberglaube, aber für diese Frauen ist das Realität. Sie glauben, sie werden sterben. Sie mussten vor einem Schrein Nägel oder Haare zurückgelassen und darauf schwören, alles abzubezahlen und nicht zur Polizei zu gehen, sonst würden sie sterben. Wenn Frauen sich darüber hinwegsetzen, kommt es oft zu Gewalt gegen ihre Familien zuhause - von Schlägereien bis Mord. Was die Frauen außerdem davon abhält auszusteigen, ist ihr Mangel an Perspektiven: Sie haben keine Qualifikationen, keine Aussicht auf Arbeit.

Sind die meisten der Frauen illegal ins Land gekommen?

Ja. Die meisten werden mit den Versprechungen von Schleppern nach Europa gebracht, die Höhe ihrer Schulden wird ihnen eingeredet - aber zu dem Zeitpunkt haben sie schon auf den Voodoo-Fluch geschworen. Sie stellen dann einen Asylantrag, der mit Sicherheit abgelehnt wird, weil Nigeria kein Kriegsland ist, das weiß auch die Madame. Nach einem negativen Asylbescheid gibt es die Möglichkeit zu berufen. Dabei vergeht wieder Zeit, und die Madame verdient weiter munter ihr Geld. Als Asylwerber hat man keine Arbeitserlaubnis in Österreich, aber Prostitution ist einer der wenigen Bereiche, in denen die Frauen arbeiten dürfen, weil es ein selbstständiges freies Gewerbe ist.

Das ist tatsächlich legal?

Ja. Es ist keine Grauzone. Ihr Asylverfahren läuft und sie dürfen anschaffen gehen. Es gibt in Wien eine Gesundheitskarte, da müssen die Frauen alle sechs Wochen zur Untersuchung zur MA 15, das hat auch viele Vorteile für sie. Sozialarbeiter dort versuchen, den Frauen zu helfen, wenn sie merken, dass sie Opfer von Menschenhandel sind, aber sie können nichts tun, solange diese Frauen nicht aussagen, und das tun sie aus Angst nicht.

Der Filmtitel "Joy" kokettiert auch mit dem Prostitutionsberuf.

Ja, wobei Joy ein sehr gängiger Vorname in Nigeria ist. Man mag Namen wie Joy, Hope, Success, Progress, Faith, Glory. Die Hoffnung der Eltern für das Kind äußert sich im Namen.

Die Frauen schicken den Rest des Geldes dann mit Western Union nach Afrika.

Ja, und ihre Familien sind eigentlich Komplizen, sie üben ordentlich Druck auf ihre Töchter aus. Da gibt es Familien, die neidisch auf die Nachbarn schauen, weil die sich dank der Tochter in Europa ein neues Eigenheim bauen konnten.