Ist es Essay oder Drama, Komödie oder Pamphlet, was die 1985 geborene Susanne Heinrich da mit ihrem Erstlingsfilm "Das melancholische Mädchen" vorgelegt hat? Jedenfalls ist es die formal mit Abstand herausstechendste Arbeit beim 40. Max-Ophüls-Preis-Festival in Saarbrücken, wo alljährlich junge Filmemacher-Talente aus dem gesamten deutschen Sprachraum präsentiert werden.

"Ich finde, mein Film ist eine Komödie", sagte Heinrich der "Saarbrücker Zeitung", "und alle Komödien sollten so sein wie mein Film". Es geht um ein Mädchen, das sich vor bunten Studiokulissen bewegt, alle sprechen ein seltsames Kunstdeutsch, etwas entrückt aus der Realität, wie neben der Spur. Unterschiedliche Szenerien sind in Kapitel eingeteilt, darin geht es dann um Themen wie Feminismus, Kapitalismus und das Muttersein. Einmal heißt es "Feminismus zu verkaufen", ein Kapitel, das gezielt den "Ausverkauf des Pop-Feminismus" (Heinrich) thematisiert. Der überall gern deklinierte Feminismus würde vielen Frauen suggerieren, dem Trugschluss von Sätzen wie "Du kannst alles sein, was du willst" zu vertrauen.

Die Jury jedenfalls fand "Das melancholische Mädchen" wunderbar: "Ein Filmkunstwerk, das in beschwingtem und elegantem Ton, mit präzisen analytischen Worten und in pastellfarbenen minutiös durchgestalteten Bildern die Odyssee einer jungen Frau im Dazwischen des postmodernen Kultur- und Identitätsüberflusses erzählt", hieß es in der Jury-Begründung. "Ein Film, dem es endlich gelingt, eine Sprache für eine ganze Generation von traurigen Mädchen zu finden".

Der Film könnte Karriere machen: Einen Weltvertrieb hat er bereits, und zwar jenen, der schon Jessica Hausners und Ulrich Seidls Filme in die Welt hinaustrug.
Der österreichische Film kann sich gleich über mehrere Auszeichnungen in Saarbrücken freuen. So wurde Sudabeh Mortezais Straßenstrich-Drama "Joy" gleich doppelt prämiert: Als bester gesellschaftlich relevanter Film und als Film mit dem besten Schauspielnachwuchs für Hauptdarstellerin Joy Alphonsus. Der Film läuft derzeit in Österreichs Kinos.
"Nevrland" des Österreichers Gregor Schmidinger, prominent besetzt mit Josef Hader, bekam den Preis der Jugendjury. Der "Publikumspreis Mittellanger Film" für "Die Schwingen des Geistes" von Albert Meisl sowie der "Preis für den besten Kurzfilm" für "Boomerang" von Kurdwin Ayub gingen damit ebenfalls nach Österreich.