Wie muss man sich das vorstellen? Ein Schmuddelfilm ohne Schmuddelei? Eine Sexklamotte ohne Sex? Das sind ja fast schon Hollywood’sche Maßstäbe, die hier angelegt werden: Soll man lieber prüde sein und schmutzige Gags machen oder doch eher mehr nackte Haut zeigen?

Ein Film über einen Callboy wie "Love Machine" kann schnell auch zur billigen Stöhnerei mit sehr viel peinlichen Szenen werden, oder? "Genau, das war am Anfang auch meine Sorge", sagt Kabarettist und Schauspieler Thomas Stipsits im Gespräch mit der "Wiener Zeitung." "Aber dann habe ich mit Regisseur Andreas Schmied telefoniert, ihm gesagt, dass mich eine Sexklamotte nicht interessiert und dass es um Menschen und nicht um Comicfiguren gehen muss. Zum Glück hat er das genauso gesehen." Stipsits spielt in "Love Machine" einen Callboy, der nach einer erfolglosen Karriere als Musiker nun der Damenwelt schöne Augen macht - und dabei nicht zwingend im Bett mit ihnen landet, sondern auch mal Witwentröster (nur reden!) spielt. Oder dann doch für beleidigte, betrogene Models als Ventil und Racheakt herhalten muss.

Der Frauenversteher

Georgy, so heißt der Vorzeige-Callboy, den Stipsits spielt, hat anfangs Spaß an seinem neuen Job, aber irgendwann packt ihn dann doch die Liebe, und die Umstände sind ein wenig tragisch. "Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich, denn der Film ist lustig, hat aber auch seine leisen Momente, und genau das ist bei so einem Thema wichtig. Dass man zeigt, was für eine Überwindung es für die Frauen aber auch für meine Figur Georgy ist", so Stipsits. "Diese Frauen machen alle etwas mit Georgy und verändern ihn, denn der Beruf öffnet ihm die Augen über die Frauenwelt. Ohne seinen Job als Callboy hätte er auch Jadwiga, seine Freundin, nie erobern können."

Dennoch: Zunächst geht es hier erst einmal um das Eine. Allerdings war sowohl dem Regisseur als auch seinem Hauptdarsteller wichtig, dass die Intimität der Sexszenen gewahrt bleibt. "Andreas und ich waren uns einig, dass wir das Thema Sex so gut wie möglich ästhetisch zeigen wollen und es keine wilde Rammelei sein darf - denn das finde ich unlustig", sagt Stipsits, für den Sexszenen immer ein "bissl ungut sind". Es sei "alles andere als prickelnd, wenn rundherum Leute stehen, die dich filmen". "Love Machine" ist Teil einer Strömung im österreichischen Kino, bei der mit Nachdruck versucht wird, einen Massengeschmack zu treffen, wo man aber immer auch Gefahr läuft, in den Untiefen von TV-Klischees zu enden - das ist vielen Filmen in letzter Zeit passiert, darunter auch Harald Sicheritz’ "Baumschlager" (ebenfalls mit Stipsits in der Hauptrolle, als UN-Blauhelm in Israel), bei dem Sex auch eine wichtige Rolle spielte, oder dem kürzlich veröffentlichten "Das kleine Vergnügen", in dem Petra Kleinert eine Erotikboutique eröffnet.

Am Ende spielen diese leider nur mit alten Klischees. "Love Machine" ist da keine Ausnahme. Trotzdem erhofft man sich dank des Rezepts "Sexklamotte" einen großen Publikumsansturm; die Produzenten hoffen zumindest, dass das Sex-Thema mehr Leute anlockt, als durchschnittlich zu einem österreichischen Kinofilm kommen würden.

Stipsits: "Wenn man im Kabarettbereich erfolgreich ist, hilft es schon auch, wenn man im Kino etwas macht. Ich habe pro Programm um die 100.000 Zuschauer, und da ist zumindest ein Grundstock dabei, der sich für den Film interessieren könnte. Und bei ‚Love Machine‘ habe ich die Hoffnung, dass es ein Thema ist, das jeden in irgendeiner Weise beschäftigt. Denn an Sex kommt man ja eigentlich nicht vorbei."