Die in eine streng puritanische Arztfamilie geborene Glenn Close machte sich in der Rolle starker Frauen einen Namen. Nach Erfolgen am Broadway gab die studierte Theaterwissenschafterin und Anthropologin 1982 ihr Spielfilmdebüt als selbstbewusste Mutter in der John-Irving-Verfilmung "Garp und wie er die Welt sah". Die Rolle brachte ihr die erste von inzwischen sechs Oscar-Nominierungen ein. Auch für die Hauptrolle in ihrem jüngsten Film, "Die Frau des Nobelpreisträgers", wurde sie erneut für den Oscar nominiert und gewann bereits den Golden Globe.

Die "Wiener Zeitung" traf die humorvolle 71-Jährige beim Filmfest Zürich im Hotel Bauer au Lac.

"Wiener Zeitung":Frau Close, haben Sie jemals erwartet, den Oscar zu gewinnen?

Glenn Close: Preise sind nicht alles. Wichtiger als Auszeichnungen ist, dass man im Leben das macht, was zu einem passt. Meine Rollen müssen mich herausfordern und erfüllen. Wenn das dann auch die Zuschauer berührt, ist es das Größte für mich.

Sie spielen eine talentierte Schriftstellerin, die im Schatten ihres Mannes steht. Wie hält sie das so lange aus?

Das war auch die erste Frage, die ich mir stellte, als ich das Drehbuch las: Wann verlässt sie diesen Kerl endlich? Aber ihr Mann ist charismatisch, sie liebt ihn, und lässt sich dazu verführen, seine Komplizin zu werden. Wie viele Frauen macht sie sich selbst etwas vor. Es schien ihr anfangs vielleicht sogar natürlich. Und als es sie zu stören begann, war es zu spät, es zu ändern. Der Film führt zurück in die Zeit vor der Frauenbewegung. Für Frauen war es damals nicht leicht, für sich selbst einzutreten, anstatt nur hinter ihrem Mann zu stehen.

Die Geschichte spielt in Rückblenden in den 1960er Jahren. Da waren Sie in der Pubertät. Haben Sie frauenfeindliche Strukturen bemerkt?

Nicht direkt. Meine Mutter hat mit 18 geheiratet, durfte die Schule nicht beenden. Ich erinnere mich, wie sie mit 85 sagte: "Ich habe nichts in meinem Leben erreicht." Wir Kinder antworteten natürlich: "Aber du hast uns erzogen." Dass sie das so empfunden hat, stimmte mich sehr traurig. Sie war eine talentierte, wissbegierige, außergewöhnliche Frau, aber von ihr wurde erwartet, dass sie zurücksteckt und den Haushalt führt. Das war typisch für Frauen jener Generation.