Dieter Kosslick und die Stars: Wie hier die Belgierin Cecile de France 2018 herzt der Berlinale-Chef seine Gäste gern am Roten Teppich. - © Katharina Sartena
Dieter Kosslick und die Stars: Wie hier die Belgierin Cecile de France 2018 herzt der Berlinale-Chef seine Gäste gern am Roten Teppich. - © Katharina Sartena

Berlin. Wenn Dieter Kosslick am Donnerstagabend von Anke Engelke wie jedes Jahr auf die Bühne des Berlinale-Palasts gebeten werden wird, dann wird er zum letzten Mal in seinem miserablen Englisch die Leute begrüßen. Er wird ihnen viel Spaß mit der Filmauswahl wünschen, und ein halb missglückter Witz wird auch dabei sein. Ach Dieter!

18 Jahre hat Dieter Kosslick die Berlinale gestaltet und geleitet. Seit Mai 2001 steht er ihr vor, als Nachfolger von dem ebenfalls lange amtierenden Moritz de Hadeln - beide Männer sind Profis, aber waren damals wie heute nicht unbedingt Ausdruck für frischen Wind an der Spitze des Festivals.

Profil-Verlust

Die Berlinale hat sich unter de Hadeln internationalisiert, und unter Kosslick, der aus seiner Zeit bei der Filmförderung in Nordrhein-Westfalen viele Kontakte mitbrachte, wurde dieser Status quo ausgebaut und gehalten.

Umstürze, Revolutionen, grelle Ideen - das durfte man von jemand wie Kosslick nie erwarten, dafür war er zu sehr das charmante, Hut und Schal tragende Gesicht dieser Filmschau, das mit seinen Grimassen selbst den größten Stars trotz Februarfrost ein Lächeln entlockte. Diese Ära endet jetzt.

Kosslick betont derzeit beinahe täglich in unzähligen Interviews mit der deutschen Presse, wie farbenfroh seine Berlinale-Zeit war: Etwa, als er (schließlich erfolglos) versuchte, Kubas Staatschef Fidel Castro nach Berlin zu holen (und von ihm stattdessen eine handschriftliche Entschuldigung für sein Fernbleiben erhielt), oder wie die Rolling Stones bei ihrem Berlinale-Auftritt 2006 auf einem Hotel bestanden, in dessen Umkreis drei Kilometer kein Baulärm herrschte (unmöglich in Berlin), oder wie er eigens spezielle Haferkekse für Jennifer Lopez besorgen ließ, da er Angst hatte, sie würde sonst sofort wieder abreisen. Sie blieb.

Es ist eine Intendanz der launigen Anekdoten, Kosslick hatte sichtlich seinen Spaß. Dem Festival an sich tat Kosslick mit ausufernden neuen Filmreihen wie der "Perspektive Deutsches Kino" oder dem "Kulinarischen Kino" keinen guten Dienst - die Berlinale hat in den letzten Jahren zusehends an Profil verloren, was ihre internationale Geltung betrifft: Da steht sie inzwischen weit hinter Cannes und Venedig am dritten Platz, so mancher rechnet sogar Locarno auf diesen Rang.

Dabei ist die Berlinale seit jeher für ihre politisch motivierten Wettbewerbe bekannt. Sie stellt - an einer ehemaligen Frontlinie zwischen den Weltmächten - gewagte, kritische und politische Filme aus. Das hat sich auch unter Kosslick nicht geändert; leider hat auch er nur zur Verfügung, was ihm angeboten wird, und so ist die Berlinale in letzter Zeit doch zu einem sehr deutschlastigen Festival geworden, bei dem sich inzwischen auch TV-Ware von weniger anspruchsvoller Güte im Kinomantel versteckt.