• vom 07.02.2019, 20:00 Uhr

Film

Update: 08.02.2019, 13:25 Uhr

Berlinale 2019

Berlinale eröffnet mit Lone Scherfigs Vision vom guten Menschen




  • Artikel
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • "The Kindness of Strangers" feiert das Menschliche in uns.

Schauspieler Bill Nighy, der die Fotografenknipst, und Regisseurin Lone Scherfig aus Dänemark. - © Katharina Sartena

Schauspieler Bill Nighy, der die Fotografenknipst, und Regisseurin Lone Scherfig aus Dänemark. © Katharina Sartena

Berlin. "Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich mich für hoffnungsvolle Geschichten so sehr begeistern kann", sagt die dänische Regisseurin Lone Scherfig. "Aber es ist nun mal so, dass ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin". Scherfigs Film "The Kindness of Strangers" eröffnete am Donnerstag die 69. Filmfestspiele von Berlin und tritt im Wettbewerb um den Goldenen Bären an.

Scherfig erzählt aus dem Leben verschiedener Protagonisten, die sich allesamt mehr oder weniger hart im Alltag New Yorks zurechtfinden müssen. Eine junge Mutter (Zoe Kazan) zweier Söhne ist mit ihren Kindern hierher gekommen, weil der Vater, ein Polizist, seine Buben schlägt; die Frau ist auf der Flucht, für die Kinder aber soll der Trip so etwas wie Sightseeing sein. Völlig mittellos gerät sie mehr und mehr in die Enge und muss bald schon an der örtlichen Obdachlosenausspeisung teilnehmen. Dort lernt sie andere Menschen kennen, die wiederum mit ihren jeweiligen Schicksalen zu kämpfen haben, darunter auch eine heillos überforderte, aber herzensgute Krankenschwester (Andrea Riseborough) oder einen Ex-Häftling (Tahar Rahim), der in einem russischen Restaurant (geführt von Bill Nighy) kocht.

Scherfig verbindet ihre Schicksale mit stark konstruierten Wendungen, der Film wird - auch dank eines nervenden Scores, der sich bei jeder menschelnden Szene einmischt - schnell zum Sozialkitsch. Aber: Ihr Anliegen, für eine bessere, positive Welt zu kämpfen, bringt Lone Scherfig mit "The Kindness of Strangers" mit viel Enthusiasmus und Nachdruck rüber. "Man muss sehen, dass Fremde oft mehr Güte im Herzen tragen und einen diese Güte auch spüren lassen, als so mancher nahestehende Verwandte", erläutert Scherfig den Titel ihres Films. Und Bill Nighy ergänzt: "In einer gefühlskalten Zeit wie dieser ist es unabdingbar, dass wir die Dinge, die uns einen, in den Vordergrund stellen, anstatt die Dinge zu betonen, die uns trennen. Wenn das das Ziel eines Films ist, dann kann man das nur gut finden".

Für Lone Scherfig bedeutet die Rückkehr nach Berlin auch etwas Besonderes: 2002 trat sie hier mit ihrem famosen Film "Italienisch für Anfänger" an, es war damals das erste Jahr von Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Und nun, in seinem letzten Jahr, ist sie wieder im Wettbewerb vertreten. "Irgendwie eine runde Sache", freute sich Kosslick, der nach der Berlinale das Amt des Festivalchefs an das neue Duo Mariette Rissenbeek (kaufmännische Leitung) und Carlo Chatrian (künstlerischer Leiter) übergeben wird.





Schlagwörter

Berlinale 2019, Filmfestival

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-07 17:41:48
Letzte Änderung am 2019-02-08 13:25:50



Filmkritik

Trotzdem Tänzer

Yuli, Sohn des Ogún, nennt ihn sein Vater nach dem Sohn eines afrikanischen Kriegsgotts. Und Carlos ist ein Kämpfer - zuerst gegen den Wunsch seines... weiter




Neu im Kino

Die Filmstarts der Woche

Krank, aber stark (fan)Die Doku schildert das Leben von Martin Habacher, einem Youtuber, Social Media Berater. Sensibel wird gezeigt... weiter




Filmkritik

Ein Blick hinter die Kulissen der Burg

20190213burg - © Wikicommons, Thomas Ledl – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international Mit den Pfeiftönen eines LKWs, der gerade ein Bühnenbild transportiert und den Werkstätten des Burgtheaters, die an Werkhallen erinnern... weiter





Werbung



Kommentar

Kunst und Moral

Schon wieder der Gabalier! Nachdem der österreichische "Volks-Rock’n’Roller" den Karl-Valentin-Orden einer Münchner Faschingsgilde... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Bruno Ganz ist tot
  2. "Lucia di Lammermoor" mit hohen Tönen und niedriger Spannung
  3. täglich
  4. Goldener Bär für "Synonyme" von Nadav Lapid
  5. "Nicht heilig im herkömmlichen Sinn"
Meistkommentiert
  1. "Es war ohnehin ein Ausländer"
  2. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  3. Unsoziale Medien
  4. "Hohe komische Kunst"
  5. "Biedermann und die Brandstifter" im Volkstheater

Wiener Journal

The Man Who Killed Don Quixote

- © Concorde Der eitle Regisseur Toby soll in Spanien einen Werbefilm drehen, wird dabei aber von seiner Vergangenheit eingeholt... weiter




Wiener Journal

Book Club

- © Eurovideo Was mit Erica Jong begann, endet 40 Jahre später mit "Fifty Shades of Grey": Die vier besten Freundinnen Vivian, Diane, Carol und Sharon... weiter





Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Quiz




Werbung