David Schalko verbindet die Ästhetik der 30er-Jahre mit der politischen Gegenwart. - © Katharina Sartena
David Schalko verbindet die Ästhetik der 30er-Jahre mit der politischen Gegenwart. - © Katharina Sartena

Berlin. Mit "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" feierte David Schalko die Berlinale-Premiere seiner neuen TV-Serie, die ab
17. Februar in sechs Teilen auf ORF 1 (20.15 Uhr) zu sehen sein wird. Schalko nimmt das gleichnamige filmische Original von Fritz Lang aus dem Jahr 1931 zum Vorbild, verlegt die Handlung von Berlin ins heutige Wien und füllt sie mit jeder Menge Gesellschafts- und Politik-Kritik. Ein Mädchen wird entführt, und die aufgescheuchte Bevölkerung, die Exekutive, aber auch die hohe Politik (in Form eines eitlen Jungspunds als Minister) geraten zusehends in einen Ausnahmezustand aus Schuld, Lüge, Laster und Korruption. Bei der Berlinale hatte die ORF-Serie nun ihre Weltpremiere.

"Wiener Zeitung": Herr Schalko, ist "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" ein Remake?

David Schalko: Nein. Wir folgen dem Original ein wenig, indem wir ikonografische Szenen übernommen haben - vom Tribunal bis zum Motiv der Kuckucksuhr. Es gibt also Versatzstücke aus dem Original, aber ich bezeichne die Serie nicht als Remake, weil die Geschichte von Grund auf neu geschrieben wurde. Es ist vielleicht eine Art Coverversion. Man darf ja nicht vergessen: Shakespeare wird seit Hunderten von Jahren am Theater gespielt und jede Inszenierung riecht anders. So ist es hier auch.

Fritz Langs Klassiker "M" erfährt eine Neuinterpretation: Bela B. Felsenheimer als der "bleiche Mann". - © ORF/Superfilm/Ingo Pertramer
Fritz Langs Klassiker "M" erfährt eine Neuinterpretation: Bela B. Felsenheimer als der "bleiche Mann". - © ORF/Superfilm/Ingo Pertramer

Sie haben die Handlung in die Gegenwart und von Berlin nach Wien verlegt.

Ja, die Serie spielt im Heute und es war wichtig, damit zu unterstreichen, wie zeitgemäß der Stoff ist. Ich kenne Wien viel besser als Berlin, und zugleich passte der Stoff gut nach Wien, auch vor dem Hintergrund der hiesigen politischen Veränderungen. Außerdem ist die Serie auch eine Liebeserklärung an Wien, vor allem an die Architektur.

Dennoch sieht die Serie aus wie das Kino der frühen 30er Jahre.

Es war unser Ziel, auch ästhetisch Kontakt mit dem Original aufzunehmen. Fritz Lang drehte seine Fassung im Studio, wir drehten ausschließlich an Originalschauplätzen, ließen es aber oft so aussehen, als wäre es im Studio gedreht. Dadurch entsteht eine leicht entrückte, seltsame, hyperrealistische Atmosphäre, die aber auch künstlich wirkt, wie ein alter Film, aber im Heute. Diese Mischung hat uns interessiert.