Die Zukunft ist voller Schrott. Zumindest die Zukunft des Films "Alita: Battle Angel". Der spielt im 26. Jahrhundert, worauf man schon durch die Mutation des 20th Century Fox-Logos in ein reichlich ramponiertes 26th Century-Fox-Logo hingewiesen wird. Am weitläufigen Schrottplatz ist also Dr. Ido (Christoph Waltz) zugange. Er sucht entsorgte Cyborg-Gliedmaßen für seine Transplantationsklinik und freut sich alsbald über ein besonderes Fundstück: einen kompletten Torso mit Kopf, noch funktionsfähig - oder wie er es definiert: "Du lebst!" Auf seinem Operationstisch wird der Cyborg-Rumpf runderneuert - wie sich später herausstellen soll, verwendet Ido den mit ziseliertem Dekor verzierten Prothesenkörper seiner Tochter. Und deren Namen gibt er seinem Gast-Cyborg auch: Alita.

Jetzt hat Alita zwar einen Körper und einen Namen, aber eines hat sie immer noch nicht: die Erinnerung daran, was oder wer sie eigentlich ist. Im Nahkampf mit anderen, über ihre Mission weniger unschlüssigen Cyborgs, einer niederträchtiger als der andere, stellt sich zumindest heraus, dass sie ziemlich schnell und ziemlich stark ist. Und eigentlich nicht weniger als eine Kampfmaschine.

Zunehmend wird auch klarer, dass Alita im 300 Jahre zurückliegenden "Großen Krieg" zwischen Menschen und Außerirdischen eine Rolle gespielt hat. Sie wird Kopfgeldjägerin mit der Lizenz zum Roboterfieslinge-Schreddern und lässt sich außerdem überreden, sich bei "Monsterball" aufstellen zu lassen. Das ist ein vom Schurken Vector (Mahershala Ali) völlig korrumpiertes Sportspektakel, das praktisch die einzige Unterhaltung der Menschen in der postapokalyptischen Müllstadt ist. Der finale Sieger dieser Rennen darf allerdings in die mysteriöse Elitestadt Zalem, die gottgleich über dem ganzen Schrott thront.

"Alita: Battle Angel" ist die Verfilmung eines Manga-Klassikers von Yukito Kishiro. Aufgeweckte Seher erkennen das an den auffallend großen Augen der Hauptfigur. Rosa Salazar ist die Schauspielerin, die hinter der computeranimierten Figur steckt, die sich erschreckend nahtlos in die realmenschliche Umgebung einfügt. Einmal abgesehen von den übermenschlichen kampf-artistischen Einlagen, die Alita einmal sogar zu einem Zitat der berühmten Zeitlupen-Patrone aus dem Film "Matrix" macht.

Spezialeffekt-Hochschaubahn

Das ist 3D-Filmtechnik, wie man sie von James Cameron erwartet. Er hatte die Rechte des Comics schon lange gekauft, er hat auch das Drehbuch geschrieben und produziert, die Regie hat er aber an Robert Rodriguez abgegeben. Der hat eine recht konventionelle, aber kurzweilige Spezialeffekt-Hochschaubahnfahrt daraus gemacht, die nicht nur all jene erfreut, die gern sehen, wie ein Mädchen einen Haufen unkooperativer Killerroboter vermöbelt. Kuriose Details sind mitunter unfreiwillig komisch: So streunen in dieser dystopischen Ruinenstadt bemerkenswert fette Katzen durch die Straßen, außerdem wird in einer Welt, die gerade so überlebt, erstaunlich viel geshoppt. Eine Liebesgeschichte gibt es auch, inklusive Kuss im Regen, aber erst, sobald Alita einen Körper mit Busen hat. Es ist letzten Endes halt doch ein Cameron-Drehbuch. Wenn "Alita: Battle Angel" trotz einwandfreier Kino-Unterhaltung und einer großzügigen Portion Pathosmusik nicht wirklich nachhaltig bewegt, dann weil die Künstlichkeit der Hauptfigur eine emotionale Bindung schwer macht. Da helfen auch die größten Augen nichts.