• vom 13.02.2019, 16:42 Uhr

Film

Update: 13.02.2019, 17:10 Uhr

Filmkritik

Alita mit dem Killerkörper und den Kulleraugen




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christina Böck

  • James Camerons Manga-Projekt "Alita: Battle Angel" ist ein sehenswertes Spektakel, das aber höchstens in der Technik neue Standards definiert.

Alita im Kampfflugmodus: Rosa Salazar. - © 20th Century Fox

Alita im Kampfflugmodus: Rosa Salazar. © 20th Century Fox

Die Zukunft ist voller Schrott. Zumindest die Zukunft des Films "Alita: Battle Angel". Der spielt im 26. Jahrhundert, worauf man schon durch die Mutation des 20th Century Fox-Logos in ein reichlich ramponiertes 26th Century-Fox-Logo hingewiesen wird. Am weitläufigen Schrottplatz ist also Dr. Ido (Christoph Waltz) zugange. Er sucht entsorgte Cyborg-Gliedmaßen für seine Transplantationsklinik und freut sich alsbald über ein besonderes Fundstück: einen kompletten Torso mit Kopf, noch funktionsfähig - oder wie er es definiert: "Du lebst!" Auf seinem Operationstisch wird der Cyborg-Rumpf runderneuert - wie sich später herausstellen soll, verwendet Ido den mit ziseliertem Dekor verzierten Prothesenkörper seiner Tochter. Und deren Namen gibt er seinem Gast-Cyborg auch: Alita.

Jetzt hat Alita zwar einen Körper und einen Namen, aber eines hat sie immer noch nicht: die Erinnerung daran, was oder wer sie eigentlich ist. Im Nahkampf mit anderen, über ihre Mission weniger unschlüssigen Cyborgs, einer niederträchtiger als der andere, stellt sich zumindest heraus, dass sie ziemlich schnell und ziemlich stark ist. Und eigentlich nicht weniger als eine Kampfmaschine.

Information

Science Fiction

Alita: Battle Angel, USA 2019

Regie: Robert Rodriguez

Zunehmend wird auch klarer, dass Alita im 300 Jahre zurückliegenden "Großen Krieg" zwischen Menschen und Außerirdischen eine Rolle gespielt hat. Sie wird Kopfgeldjägerin mit der Lizenz zum Roboterfieslinge-Schreddern und lässt sich außerdem überreden, sich bei "Monsterball" aufstellen zu lassen. Das ist ein vom Schurken Vector (Mahershala Ali) völlig korrumpiertes Sportspektakel, das praktisch die einzige Unterhaltung der Menschen in der postapokalyptischen Müllstadt ist. Der finale Sieger dieser Rennen darf allerdings in die mysteriöse Elitestadt Zalem, die gottgleich über dem ganzen Schrott thront.

"Alita: Battle Angel" ist die Verfilmung eines Manga-Klassikers von Yukito Kishiro. Aufgeweckte Seher erkennen das an den auffallend großen Augen der Hauptfigur. Rosa Salazar ist die Schauspielerin, die hinter der computeranimierten Figur steckt, die sich erschreckend nahtlos in die realmenschliche Umgebung einfügt. Einmal abgesehen von den übermenschlichen kampf-artistischen Einlagen, die Alita einmal sogar zu einem Zitat der berühmten Zeitlupen-Patrone aus dem Film "Matrix" macht.

Spezialeffekt-Hochschaubahn

Das ist 3D-Filmtechnik, wie man sie von James Cameron erwartet. Er hatte die Rechte des Comics schon lange gekauft, er hat auch das Drehbuch geschrieben und produziert, die Regie hat er aber an Robert Rodriguez abgegeben. Der hat eine recht konventionelle, aber kurzweilige Spezialeffekt-Hochschaubahnfahrt daraus gemacht, die nicht nur all jene erfreut, die gern sehen, wie ein Mädchen einen Haufen unkooperativer Killerroboter vermöbelt. Kuriose Details sind mitunter unfreiwillig komisch: So streunen in dieser dystopischen Ruinenstadt bemerkenswert fette Katzen durch die Straßen, außerdem wird in einer Welt, die gerade so überlebt, erstaunlich viel geshoppt. Eine Liebesgeschichte gibt es auch, inklusive Kuss im Regen, aber erst, sobald Alita einen Körper mit Busen hat. Es ist letzten Endes halt doch ein Cameron-Drehbuch. Wenn "Alita: Battle Angel" trotz einwandfreier Kino-Unterhaltung und einer großzügigen Portion Pathosmusik nicht wirklich nachhaltig bewegt, dann weil die Künstlichkeit der Hauptfigur eine emotionale Bindung schwer macht. Da helfen auch die größten Augen nichts.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-13 16:57:17
Letzte Änderung am 2019-02-13 17:10:18



Filmkritik

Trotzdem Tänzer

Yuli, Sohn des Ogún, nennt ihn sein Vater nach dem Sohn eines afrikanischen Kriegsgotts. Und Carlos ist ein Kämpfer - zuerst gegen den Wunsch seines... weiter




Neu im Kino

Die Filmstarts der Woche

Krank, aber stark (fan)Die Doku schildert das Leben von Martin Habacher, einem Youtuber, Social Media Berater. Sensibel wird gezeigt... weiter




Filmkritik

Ein Blick hinter die Kulissen der Burg

20190213burg - © Wikicommons, Thomas Ledl – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international Mit den Pfeiftönen eines LKWs, der gerade ein Bühnenbild transportiert und den Werkstätten des Burgtheaters, die an Werkhallen erinnern... weiter





Werbung



Kommentar

Unlängst auf der Insel Bramble Cay

- Du, Charlie, was is’ eigentlich ’n Dinosaurier? - Ein Dinosaurier, Ethan, ist ein verdammt großes Viech. - Aha... weiter





Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Wie weit darf Kunst gehen?
  2. Der Herr des Rings
  3. Kuscheln mit Robotern
  4. Ariana Grande holte Hitlisten-Rekord der Beatles ein
  5. "Hollywood hat mich nie interessiert"
Meistkommentiert
  1. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
  2. Unsoziale Medien
  3. Der Herr des Rings
  4. "Grâce à dieu": Den Schmerz zerreden
  5. Wie weit darf Kunst gehen?

Wiener Journal

The Man Who Killed Don Quixote

- © Concorde Der eitle Regisseur Toby soll in Spanien einen Werbefilm drehen, wird dabei aber von seiner Vergangenheit eingeholt... weiter




Wiener Journal

Book Club

- © Eurovideo Was mit Erica Jong begann, endet 40 Jahre später mit "Fifty Shades of Grey": Die vier besten Freundinnen Vivian, Diane, Carol und Sharon... weiter





Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Quiz




Werbung