Charlotte Rampling ist sehr entspannt. Die 73-jährige britische Schauspielerin ist bekannt für ihr Understatement, nicht nur in ihren unzähligen Filmrollen, sondern auch, wenn sie öffentlich auftritt. Manche verwechseln das mit Gefühlskälte, doch dahinter steckt eine Form von intellektueller Coolness, von Erhabenheit, die nicht abblockt, sondern tiefe Blicke zulässt: Charlotte Rampling ist - im Film wie im echten Leben - ein Mensch mit Tiefe, das macht sie beim Gespräch mit der Wiener Zeitung sofort klar: "Als Schauspielerin suche ich nicht nach der Seele meiner Figuren, ich will, dass diese Seelen mich finden", sagt sie. Das bedeutet aber nicht, dass Rampling einen spirituellen Zugang zu ihrem Beruf hat, sondern einen durchaus rationalen. "Was immer mich intellektuell anspricht, wähle ich aus, da geht es mir um erzählerisches Niveau", sagt sie über die Rollenwahl. "Und das ist meistens Arthaus-Kino aus Europa. Ich habe nie darüber nachgedacht, nach Hollywood zu gehen, obwohl es Angebote gab. Aber nach ein, zwei Filmen in dieser Industrie war mir klar, dass das nichts für mich ist". Zu oberflächlich, zu sehr auf Äußerlichkeiten gerichtet.

Stattdessen hat sich Rampling dem Autorenkino verschrieben, wirkte in Filmen mit wie "Der Nachtportier" (1974), Woody Allens "Stardust Memories" (1980) oder Sidney Lumets "The Verdict" (1982) mit, ehe sie Francois Ozon im Jahr 2000 für sein Drama "Sous le sable" neu entdeckte. "Ich war damals kurz davor, meine Filmkarriere zu beenden, weil einfach nichts mehr lief", sagt Rampling. "Doch dann kam Ozon und hat mich für die Leinwand neu erfunden. Er startete mein zweites Leinwandleben und war einer der Schlüsselfiguren in meinem Leben. Man braucht solche Regisseure als Schauspielerin, die eine neue Seite an einem entdecken, die man zuvor selbst nicht für möglich gehalten hatte".

Ozon drehte noch einen weiteren Film mit Rampling, den erotischen Thriller "Swimming Pool" (2003). Spätestens seit dem Ehedrama "45 Years" (2015) gilt sie als Grande Dame des europäischen Kinos und heimste dafür unter anderem einen Silbernen Bären und den Europäischen Filmpreis ein.
Bei der Berlinale hat man ihr heuer den Goldenen Ehrenbären für das Lebenswerk überreicht - zum Abschied der Berlinale-Zeit von Langzeit-Chef Dieter Kosslick. "Er wollte mir den Preis schon letztes Jahr geben, aber da steckte ich mitten in Dreharbeiten. Und so habe ich erst heuer zusagen können. Ich empfinde das als große Ehre", sagt Rampling. Und das Alter? "Macht mir noch keine Probleme. Im Gegenteil, es hat sogar Vorteile. Das Alter macht mich sicherer, man ist entspannt, weil man schon so viel weiß vom Leben", sagt Rampling. "Dadurch regt man sich viel weniger über alles auf". Das gilt allerdings nicht für die Arbeit vor der Kamera: "Dort bin ich immer noch nervös. Aber wenn man diese Nervosität verliert, dann ist man vermutlich auch nicht mehr so gut in seinem Job".