Charlotte Rampling: "Im Job bin ich immer noch nervös." - © K. Sartena
Charlotte Rampling: "Im Job bin ich immer noch nervös." - © K. Sartena

Berlin. Charlotte Rampling ist mit der Berlinale auf besondere Weise verbunden: Die 73-jährige britische Schauspielerin war öfters hier, leitete schon einmal die internationale Jury und bekam 2015 hier den Silbernen Bären als beste Schauspielerin für das Ehedrama "45 Years". Spätestens seit diesem Film gilt sie als Grande Dame des europäischen Kinos. Doch Ramplings Karriere hatte viele weitere Höhepunkte; sie verschrieb sich stets der (europäischen) Filmkunst und hat das banale Kino aus Hollywood immer gemieden. Rampling wirkte in Filmen mit wie "Der Nachtportier" (1974), Woody Allens "Stardust Memories" (1980) oder Sidney Lumets "The Verdict" (1982) mit, ehe sie Francois Ozon im Jahr 2000 für sein Drama "Sous le sable" neu entdeckte. Jetzt hat man ihr bei der Berlinale zum Silbernen Bären auch noch einen Goldenen dazu geschenkt - es ist eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk, das ihr Dieter Kosslick, der scheidende Langzeit-Berlinale-Chef, überreicht hatte. Rampling freute sich sichtlich, und das obwohl die Britin für ihr nüchternes Understatement vor und abseits der Kamera bekannt ist.

"Wiener Zeitung": Was bedeutet Ihnen der Goldene Ehrenbär?

Charlotte Rampling: Sehr viel. Denn er kommt von einem Festival, mit dem ich mich wirklich identifiziere. Es geht hier um politische Filme, um Anspruch, um gesellschaftlich relevante Themen. Cannes oder andere Festivals haben alle ihre eigene Ausprägung. Aber die Berlinale ist das Festival, das mich wirklich anspricht. Das hat auch mit der Stadt zu tun. Ich habe viele Jahre mit deutschen Künstlern gearbeitet und habe auch die wechselvolle Geschichte Berlins verfolgt. Ich fühle mich mit der Stadt verbunden, mit dem Land auch. Es spricht zu mir. Ich spreche kein Deutsch, aber ich meine damit eine innere Stimme.

Haben Ehrungen für das Lebenswerk nicht immer einen schalen Beigeschmack, vor allem, wenn das Lebenswerk noch gar nicht fertig ist? Sie arbeiten ja noch immer viel.

Da haben Sie recht. Preise fürs Lebenswerk mag ich gar nicht. Aber es ist nun einmal so: Festivals brauchen die Stars, und die etwas älteren wie mich lockt man halt mit solchen Preisen. Aber in dem Fall fühle mich sehr geehrt. Mein Silberner Bär hat schon gefragt: Können wir nicht noch einen Goldenen haben? Die werden beide Schnauze an Schnauze bei mir zuhause stehen.

"Der Nachtportier" war 1974 ein Skandalfilm. Sie wurden damals persönlich dafür beschimpft. Wie geht man damit um?