Gewinner "Synonymes". - © Berlinale
Gewinner "Synonymes". - © Berlinale

Berlin. Völlig überraschend wurde bei der Berlinale "Synonymes" des israelischen Regisseurs Nadav Lapid mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Es ist die autobiografische Geschichte des Regisseurs, der nach seinem Dienst bei der israelischen Armee sein Land fluchtartig verlassen hat und nach Frankreich ging, ganz ohne Papiere und ohne Plan. Sein einziges Vorhaben, das erfüllt war vom Hass auf seine Heimat: Bewaffnet mit einem Synonymwörterbuch Franzose zu werden und nicht mehr hebräisch zu sprechen. Die Gründe erfährt man nie; es hat aber wohl mit Ereignissen in der Armee zu tun.

"Synonymes" erzählt, wie schwer man seine eigene Herkunft verleugnen kann und wie fordernd ein Neuanfang in der Fremde ist; zugleich ist der Film auch ein Spiegelbild der israelischen Gesellschaft und ihrer Widersprüche. Lapids Held ist ein Verlorener, und manches an den Szenerien hat auch (unfreiwillig) Komisches; etwa bei der Einbürgerung die Marseillaise singen zu müssen, ist ein französisches Unikum.

Die Berlinale hat unter Jurypräsidentin Juliette Binoche also wieder Kino aus der Nische ausgezeichnet, das zeigt auch ein Blick auf die übrigen Preisträger: Der chinesische Beitrag "So long, my son" von Wang Xiaoshuai über die verheerenden Folgen von Chinas jahrzehntelanger Ein-Kind-Politik wurde mit den beiden Schauspielerpreisen für Wang Jingchun und Yong Mei belohnt, die darin ein Ehepaar spielen, das durch vier Jahrzehnte hindurch begleitet wird.

François Ozon wurde für "Grâce à dieu" (Gelobt sei Gott) mit dem Preis der Jury ausgezeichnet; er seziert darin jahrelang gut vertuschten Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche Frankreichs. Beste Regisseurin wurde die Deutsche Angela Schanelec für die rätselhafte Film-Avantgarde "Ich war zuhause, aber", die besser ins "Forum" gepasst hätte, wo all ihre bisherigen Filme gezeigt wurden. Den Alfred Bauer-Preis für innovatives Kino bekam die deutsche Erstlingsregisseurin Nora Fingscheidt für "Systemsprenger", einen unter die Haut gehenden Film über eine erziehungsproblematische Neunjährige, der durch seine Intensität und das Spiel der jungen Helena Zengel auch den Goldenen Bären gewinnen hätte können.