Fatih Akin verfilmte Heinz Strunks Roman. - © Katharina Sartena
Fatih Akin verfilmte Heinz Strunks Roman. - © Katharina Sartena

Fatih Akin musste für seine Heinz-Strunk-Verfilmung "Der goldene Handschuh" (ab Freitag im Kino) nach der Berlinale-Premiere viel Kritik aus dem deutschen Feuilleton einstecken; zu dünn, zu oberflächlich, zu voyeuristisch, zu weit weg von der literarischen Vorlage. Dabei ist Akins Film auf wundersame Weise genau das Gegenteil all dieser Vorwürfe und bietet einen aufschlussreichen Blick an die Ränder der Gesellschaft im Nachkriegsdeutschland, die vom Wirtschaftswunder kaum profitierten. Akin verortet die Geschichte des Hamburger Frauenmörders Fritz Honka (herausragend: Jonas Dassler) inmitten einer Frühbar auf der Reeperbahn, die voll ist von gestrandeten Existenzen, die dort um die Wette saufen. Die expliziten Mordszenen wiederum lassen an einen Horrorfilm denken, aber an einen, bei dem es weniger um Schock als vielmehr um Psychologie geht.

"Wiener Zeitung": Herr Akin, Sie haben "Der goldene Handschuh" als Horrorfilm bezeichnet. Ist er das?

Fatih Akin: Das ist er. Ich bin ein großer Fan von Horrorfilmen - sie waren mein Einstieg in die Welt des Films. Genrefilme sind in Deutschland aber schwierig zu machen. In dem Roman habe ich die Möglichkeit erkannt, mich mit diesem Genre zu beschäftigen.

Frauenmörder und Opfer: Jonas Dassler und Margarethe Tiesel in "Der goldene Handschuh". - © Warner
Frauenmörder und Opfer: Jonas Dassler und Margarethe Tiesel in "Der goldene Handschuh". - © Warner

Was war Ihnen bei der Adaption von Heinz Strunks Roman am wichtigsten?

Dass der Film keine Lachnummer wird. Ich war einmal bei einer Strunk-Lesung, da waren 1200 Leute und viele haben die ganze Zeit gelacht. Ich empfand den Roman nie als lustig. Aber es liegt wohl an Strunks subtilem sprachlichen Unterton, dass darüber auch gelacht werden kann. Mir ging es nicht darum, die Gewalt zu feiern, sondern die Würde der Opfer zu bewahren. Außerdem sollte man sehen, dass es nicht gerade einfach ist, einen Menschen umzubringen, auch, wenn das Kino meistens etwas anderes behauptet.

Gab es einen Leitfaden für Sie, wie Sie diesen Frauenmörder zeichnen?

Ich habe mich an den Roman gehalten und wollte keine Erklärungen dafür liefern, wieso Honka ist, wie er ist. Alle Szenen, die in diese Richtung gingen, habe ich wieder ’rausgeschnitten. Honka war krank, und in den konnte ich mich nicht hineinversetzen. Natürlich sucht man die Querverbindung zu Honka, und die ist vermutlich der Alkohol, eine gefährliche Sache. Aber es ist auch ein Vorteil, eine Figur zu haben, die wie ein blinder Fleck auf der Leinwand ist. Die kann ich dann gemeinsam mit dem Schauspieler viel besser ausgestalten.

Visuell zeigen Sie eine sehr akkurate Wiedergabe der 70er Jahre, alles scheint zu stimmen, und im Off wummert dauernd Schlagermusik.