Einsamer Oscar: Ganz ohne Gastgeber muss er im laufenden Jahr auskommen. - © afp/R. Beck
Einsamer Oscar: Ganz ohne Gastgeber muss er im laufenden Jahr auskommen. - © afp/R. Beck

Es ist genau 30 Jahre her, da hat das erste und bis heute einzige Mal eine Oscar-Verleihung ohne Moderator stattgefunden. 1989 war das, es war das erste Jahr, in dem die Presenter die Worte "And the Oscar goes to. . ." anstelle von "And the winner is. . ." zu sprechen hatten, und Alan Carr produzierte die Show das erste Mal; er ersetzte die zehnminütige Eröffnungssequenz, die bis dahin dem "Host" des Abends gehörte, durch Musical-Nummern, die den Kritikern tags darauf Sätze wie "Der ganze Spaß der Oscars ist wie weggeblasen" oder "Diese Eröffnungssequenz sollte ganz oben stehen in der Liste der Oscar-Peinlichkeiten" entlockte.

Schiff ohne Steuermann

Nun steht die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wieder vor einer Oscar-Gala ohne Steuermann, der diesen Entertainment-Tanker sicher durch die Untiefen Hollywoods navigieren muss. Kevin Hart, der als Moderator bereits zugesagt hatte, musste vom Engagement wieder zurücktreten, weil schwulenfeindliche Tweets aus den Jahren 2009 bis 2011 auf seinem Twitter-Account nachgewiesen wurden. Gern hat er das Handtuch nicht geworfen, aber in Me-Too-Zeiten bedeutet jegliche politisch inkorrekte Verfehlung das sofortige Aus. Statt Hart sollen nun die einzelnen Presenter, die die Oscars schließlich überreichen, als Hosts fungieren und - ganz ohne Struktur oder Einstiegskritik am Showbusiness - durch den Abend führen.

Zu befürchten ist ein zusammenhangloses Chaos, und der Nebeneffekt des steuerlosen Schiffes ist eben auch, dass nun keiner da vorne am Mikrofon steht und den rund 30 Millionen Amerikanern und den hunderten Millionen weltweiten Zusehern zynisch-süffisante, kritische Meldungen über die aktuelle Befindlichkeit der US-Gesellschaft geigt, wie das so oft in der Vergangenheit der Fall war. Das dürfte dem sonst von der Filmbranche besonders scharf angegriffenen US-Präsidenten Trump gefallen - vielleicht schaut er ja zu und twittert etwas darüber.

Die Academy sorgte im Vorfeld jedoch noch für weitere Schlagzeilen, ganz abgesehen vom nicht vorhandenen Moderator: Ein Plan, sogenannte "Nebenkategorien" (darunter die Oscars für die beste Kamera, den besten Schnitt, den besten Kurzfilm und das beste Make-up und Hairstyling) ganz einfach während der zahlreichen Werbepausen zu überreichen und sie somit vor dem TV-Publikum zu verstecken, wurde binnen kürzester Zeit zurückgenommen, weil es Proteststürme der Filmbranche gab. Der Vorjahressieger Guillermo del Toro twitterte: "Wer kommt auf die Idee, Schnitt und Kamera nicht live zu zeigen? Das sind die beiden Herzen unserer Kunst." Und Alfonso Cuarón schrieb: "Es gab in der Filmgeschichte Filme ohne Farbe, ohne Ton, ohne Story, ohne Schauspieler und ohne Musik. Aber noch nie ohne Kamera und ohne Schnitt!" Alle 24 Kategorien werden nun also doch live gezeigt, die Show wird damit nicht wie geplant kürzer als drei Stunden.