Es wäre doch toll, wenn man im Tinder-Zeitalter bei all der bunten Auswahl an Paarungswilligen schon vorher wüsste, mit wem man es da zu tun kriegt. Die Komödie "Rate Your Date" (ab Freitag im Kino) von David Dietl nimmt genau das an: Vier Berliner Singles gründen ein Start-up, um eine App zu entwickeln, bei der man seine One-Night-Stands nach vorgegebenen Kategorien bewerten kann - so weiß hinterher der oder die Nächste schon, was auf ihn oder sie zukommt. Als die Entwickler den Usern jedoch die Möglichkeit geben, selbst Kategorien zu erfinden, gerät alles außer Kontrolle und die App wird zum Mobbing-Instrument.

David Dietl, 39, hat mit "Rate Your Date" eine Komödie über moderne Beziehungsformen gedreht. Der Sohn des verstorbenen Kult-Regisseurs Helmut Dietl ("Schtonk", "Monaco Franze", "Kir Royal") erzählt im Gespräch auch, wie er mit dem Ruhm des Vaters umzugehen gelernt hat.

"Wiener Zeitung: Wo setzt man an bei einer Komödie über das moderne Paarungsverhalten?

Regisseur David Dietl erzählt von neuen Spielformen der Liebe im Internetzeitalter. - © Fox/Stadler
Regisseur David Dietl erzählt von neuen Spielformen der Liebe im Internetzeitalter. - © Fox/Stadler

David Dietl: Der Ausgangspunkt war für mich die rasante Verbreitung dieser Dating-Apps: Wir wollten erzählen, wie sich durch diese Technologie das Lieben und das Leben derzeit massiv verändert, und wie schwer es geworden ist, sich bei der unglaublichen Fülle an Angeboten zu entscheiden.

Im Film zeigt sich bald die Schwachstelle solcher Apps: Sobald die Menschen die Möglichkeit haben, selbst Kategorien zu entwerfen, wird "Rate Your Date" zur fiesen Mobbing-App, die andere bloßstellt.

Genau. Und das ist der Grund, weshalb solche Apps nur kuratiert funktionieren. Da kippt der Zweck einer solchen App schnell ins Gegenteil. Als wir vor zwei Jahren mit dem Drehbuch begannen, war das mit dem Bewerten deines Dates wirklich noch Science Fiction, inzwischen hat uns die Realität eingeholt und es gibt diese Funktion der Bewertung von Leuten bei etlichen Dating-Apps bereits.

Haben Sie selbst einen Tinder-Account?

Es wäre meiner Frau wohl nicht beizubringen gewesen, wenn ich aus Recherchegründen einen Tinder-Account angelegt hätte (lacht). Ich habe diese Apps sehr genau bei meinen Freunden angesehen und kenne auch viele positive Geschichten, die daraus entstanden sind. Einige meiner Freunde haben ihre Lebenspartner über diese Apps kennengelernt, sind verheiratet und haben Kinder. Die Kehrseite ist aber wirklich, dass viele sich gar nicht mehr die Mühe machen, eine Beziehung aufzubauen. Wenn nur eine Kleinigkeit nicht stimmt, an der man früher vielleicht gearbeitet hätte, dann geht man heute einfach zum nächsten Date über. Man muss als Gesellschaft mit dieser rasanten Veränderung Schritt halten und sich überlegen, wie man damit moralisch und ethisch umgeht.