Zwanzig Jahre lang leben die beiden auf diese Art, können weder zueinander kommen noch voneinander lassen. Regisseur Ang Lee macht aus diesem Dilemma zweier einander liebender Männer aber kein Schwulendrama, sondern einen bestechend schlichten, berührenden, eindringlichen, erschütternden und schönen Film über die Liebe. Dass er nicht gut ausgehen kann, weiß man von den ersten Minuten an: der bindungsunfähige Ennis, der nicht aus seiner Haut heraus kann, die Tristesse der Kleinstadt, in der er versucht, seine Familie durchzubringen, Jack, der bald erkennt, dass er sich mit wenigen Tagen des Zusammenseins mit Ennis im Jahr begnügen muss und daran zugrunde geht - die sozialen Regeln zerstören beider Leben. Doch was ihnen nicht gelingt schafft Lee - eine stille Revolte gegen die Zwänge der Gesellschaft, die Demontage des Image des Marlborough-Man, der seine Zigarette raucht und so cool ist, dass sich jeder die Zähne an ihm ausbeißt. Aber das Leben ist eben anders, und Lee zeigt es. Nicht mit Getöse, sondern mit feinen Zwischentönen, still und unaufdringlich, aber unvergesslich.

Neben der großartigen Landschaft und der Bildkomposition hat er auch in den beiden Hauptdarstellern perfekte Verbündete gefunden: Heath Ledger, der beim Reden kaum den Mund aufbekommt und seine Seele genauso verschlossen hält, ist ein gequälter Ennis, der die Liebe seines Lebens aufs Spiel setzt - und verliert. Jake Gyllenhaal als jungenhafter emotionaler Jack, der kämpfen will, aber an Ennis Sturheit scheitert, ist ein wunderbarer Gegenpart. Sie ergänzen einander, der eine wäre nichts ohne den anderen. Und Lee hat es schließlich wunderbar verstanden, diese großartige Leistung aus beiden Schauspielern herauszuholen.

Als Ang Lee den Golden Globe für "Brokeback Mountain" bekam, da sagte er, dass Filme unsere Sichtweise verändern könnten. Wer dazu bereit ist, kann gleich mit diesem Film anfangen . . .

Regie: Ang Lee

Mit: Heath Ledger, Jake Gyllenhaal, Anne Hathaway

Apollo, Filmcasino, Votiv

Diesen Film wird man nie vergessen.