Doch kehren wir zurück zur Psychologie der Comic-Helden: Die "Kinder" einer wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeit wurden für die US-Bevölkerung zu Protagonisten eines fiktiven Universums, die ihnen die Möglichkeit gaben, aus dem Alltag auszubrechen und für eine Weile selbst zum Helden zu werden. Gleichzeitig scheinen die Comic-Helden aber auch für den Mythos und die Selbsteinschätzung Amerikas als streitbare heldenhafte Macht zu stehen - selbst wenn dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht . . .

Schwache Film-Anfänge

Dass diese Welt dem Medium Film nicht verborgen blieb, liegt auf der Hand. Die ersten Versuche waren jedoch holprig und blieben meist dem Fernsehen vorbehalten, wie etwa "Captain America" aus 1944 bis zu den Batman- und Superman-Serien der 1950er Jahre. Doch 1978 eroberte Christopher Reeve im knallengen blau-roten Dress als Superman die Leinwand und die Herzen des Publikums. Er bekämpfte höchst erfolgreich seinen Erzfeind Lex Luthor und durfte auch in drei Fortsetzungen seine Gegner und seine eigenen Schwächen bekämpfen. 1989 trat erstmals Batman im Kino in Aktion: Regisseur Tim Burton entwickelte ein düsteres Gotham City mit skurrilen Gestalten und einen sehr ernsten Mann im Fledermauskostüm. Dieser dem Comic entsprechende Stil blieb aber nur in den ersten beiden Teilen erhalten, in den beiden folgenden, die andere Regisseure auf dem Gewissen hatten, geriet Batman zu einer eher lächerlichen Figur, die mehr an einen Clown erinnert als an einen Kämpfer für die gerechte Sache.

Doch während Marvel und DC Comics mit einer Reihe von Superhelden hätten dienen können, blieben alle bis auf Superman und Batman in der filmischen Versenkung verschwunden. Erst im Jahr 2000 eroberten die X-Men die Kinoleinwände im Sturm, Spiderman folgte alsbald nach. Den Regisseuren Brian Singer bzw. Sam Raimi gelang das Kunststück, trotz aller Effekte und Tricks die menschliche Seite dieser Mutanten in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig einen gelungenen Unterhaltungsfilm für die Massen zu machen. Auch die Fortsetzungen waren äußerst erfolgreich, auf die jeweils dritten Teile, die 2006 bzw. 2007 in die Kinos kommen sollen, darf man gespannt sein. Dazwischen durfte das Publikum noch mehr oder weniger an den Abenteuern von Hellboy (unter der Regie von Guillermo del Toro), Hulk (Ang Lee), Daredevil (Mark Steven Johnson), Catwoman (Pitof), The Punisher (Jonathan Hensleigh) und Elektra (Rob Bowman) erfreuen. Womit wir beim Thema weibliche Superheldinnen wären: Sie nehmen im Vergleich zu den männlichen Vertretern einen relativ kleinen Platz im Comic-Helden-Universum ein und zeigten sich auch auf der Leinwand nicht besonders erfolgreich. Catwoman mit Halle Berry in der schnurrenden und pfauchenden Titelrolle geriet zu einem Fiasko, und auch Elektra floppte gewaltig. An Fortsetzungen denkt hier wohl keiner mehr . . .

Dagegen werden wir einige andere Comic-Helden ganz bestimmt (bald) wiedersehen: Heuer kommt die Verfilmung der Fantastischen Vier ins Kino, nächstes Jahr der dritte Teil der X-Men. Ein neuer Superman steht uns ebenfalls ins Haus, und das düstere Sin City hat sich bereits für August diesen Jahres angesagt. Letzteres ist ein Musterbeispiel für den neuen Stil der Comics: Düster, ernst und sehr gewalttätig, in starken Schwarz-Weiß-Kontrasten gehalten und mit Anleihen aus der Malerei. Die Kreativität der Comic-Autoren und Zeichner scheint also ungebrochen - da kommen wohl noch starke Zeiten mit ebensolchen Helden auf uns zu . . .