"Der Boden unter den Füßen" lief im Wettbewerb der Berlinale. Für Sie ein neuer Karriere-Meilenstein?

Über so etwas denke ich nicht nach. Ich mache das, was ich gerade mache, so, wie ich es mir vorstelle. Von Film zu Film werde ich allerdings kompromissloser, das schon. Wie die Filme am Ende rezipiert werden, darauf habe ich ohnehin keinen Einfluss. Jedenfalls war die Geschichte schon sehr früh da, kurz nach "Die Vaterlosen" habe ich begonnen, das Drehbuch zu schreiben. Ich habe aber nicht bewusst überlegt, etwas Ernstes zu schreiben, um in den Berlinale-Wettbewerb zu kommen. Alle Filme, die ich mache, kommen aus mir, und das muss auch so sein, damit ich den langen Weg bis zur Fertigstellung auch durchhalte.

Das Schlüsselwort haben Sie schon erwähnt: Kompromisslosigkeit. Das muss man auch erst lernen.

Absolut! Es ist oft nicht nur wichtig, sich am Set durchzusetzen, sondern auch vor und nach dem Dreh. Barbara Albert hat mir schon vor Jahren gesagt: Jeder, der an deinem Film mitarbeitet, denkt zunächst nur an seine eigene Aufgabe. Als Regisseurin ist man dagegen die einzige Person, die das gesamte Projekt im Blick behalten muss - von den Schauspielern bis zum Filmplakat. 90 Prozent meiner Arbeitszeit ist Verhandlungssache, und das muss man erst lernen. So lange zu verhandeln, bis man das kriegt, was man sich vorstellt. Das ist oft anstrengend und frustrierend, aber es lohnt sich am Ende, wenn man im Schneideraum sitzt und sagt: So gehört das!

Ist das Filmemachen auch eine Art Ventil, eine Therapie, um persönliche Themen abzuarbeiten?

Das würde ich nicht als Therapie bezeichnen, denn für mich ist dieser Beruf sicher nicht gesund. Für mich wäre es besser, etwas ganz Regelmäßiges zu machen. Deshalb sind die 12 Wochen, die ich im Schneideraum zubringe, die angenehmsten bei einer Filmproduktion: Da starte ich jeden Tag um 9 Uhr und um 17.30 Uhr hole ich mein Kind. Da bin ich am ausgeglichensten. Dreh, Schreiben, Festivals, das ist eigentlich alles sehr anstrengend. Ein permanenter Ausnahmezustand.

Sie hatten bisher das Glück, kontinuierlich als Regisseurin arbeiten zu können, das kennt nicht jeder.

Das stimmt, es hat sich so ergeben. Es ist tatsächlich jetzt das erste Mal so, dass ich ein wenig orientierungslos bin. Ich habe etliche, vor allem deutsche TV-Angebote abgelehnt, die nach meiner ORF-Produktion "Die Notlüge" gekommen sind. Aber ich will mir treu bleiben und weiterhin meine eigenen Stoffe realisieren.