Wie ist die DDR mit dem Genie umgegangen?

Das ist eine interessante Frage. Denn das Genie war nun einmal da, und man musste mit ihm irgendetwas tun, denn sie hatten Angst vor Brecht. "Wir geben ihm das Theater", lautete der Tenor. "Besser er scheitert an einem großen Theater als an einer kleinen Bühne. Denn dann sind wir nicht schuld. Im Übrigen sorgen wir dafür, dass keiner hingeht und keine Kritiken erscheinen." Zugleich wollte man Brecht auch nicht verlieren. Als er später in Paris Erfolg hatte, da hatte die DDR plötzlich jemanden von Weltrang. Ab da war er sakrosankt, da konnte man ihm nicht mehr in die Quere kommen, auch die Partei nicht.

Muss man ein Brecht-Experte sein, um Ihrem Film folgen zu können?

Der Film muss verschiedene Spuren haben. Eine davon, das war mir wichtig, muss meine Mutter verstehen. Aber darunter verbergen sich natürlich mehrere Schichten. Man sollte den Film zwei, drei Mal anschauen, um diese freizulegen.

Wie besetzt man nun so eine Figur?

Es war schwierig. Burghart Klaußner kenne ich schon sehr lange. Dieser lippenlose Mann kann Brecht spielen und ist auch mit seinem Theater groß geworden. Er ist im richtigen Alter und ist inzwischen so intelligent gereift, dass er der beste Charakterdarsteller unserer Zeit ist. Der junge Brecht war schwieriger zu besetzen. Ich fand, dass Tom Schilling wie der ganz junge Heinz Rühmann die "Feuerzangenbowle" spielen kann und zugleich auch ein viel älter wirkendes Gesicht haben kann. Genauso nahm man ihm den 17-jährigen Brecht ab, der in seiner Schulklasse aufsteht und sagt: "Es ist nicht süß und ehrenvoll, für sein Vaterland zu sterben."

Brauchen wir heute wieder jemanden wie Brecht?

Wir brauchen heute die Hoffnung auf und den Glauben an die Vernunft sowie das Recht auf Zweifel. All das hat Brecht in seiner Arbeit als Maxime berücksichtigt. Und das wäre auch heute wieder einmal dringend nötig.