Ja. Ich hatte die Familie über das Wiener Rote Kreuz kennengelernt. Sie haben ein unglaubliches Leid erlebt und hoffen auf diese Bergung. Deshalb haben sie für uns auch sehr schwierige Momente und Szenen zugelassen, einfach, weil sie die Hoffnung nicht aufgeben. Das ist für den Film auch ein großes Geschenk, aber ich habe schließlich wieder viele Szenen herausgenommen, weil es sehr viele traurige Momente gab. Vor allem mit dem Bruder, der nach Deutschland gekommen ist und seine Familie seit der Tragödie nicht mehr gesehen hat. Diese Zusammenkunft in Wien war unglaublich.

Heute ist diese Flüchtlingskrise deutlich abgeschwächt, zumindest, was die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge angeht. Zeitgleich benutzt die Politik gekonntdas Immigrationsthema, um Wahlen zu gewinnen. Woran sind wir wirklich? Alles nicht so schlimm, oder droht eine neue Flüchtlingswelle?

Es gibt heute bei uns einen sehr kleinen Prozentsatz, zwei, drei Prozent, von Menschen aus diesen Gegenden, hauptsächlich Muslime, oder sie sind zumindest nicht in unserem christlichen Wertebild beheimatet. Das sind neue Menschen in unserer Gesellschaft. Sie sind zwar prozentuell nicht viele, aber es ist für mich sehr wichtig, dass wir verstehen, dass diese Entwicklung nicht umkehrbar ist. Diese Flüchtlingswelle ist passiert, und sie kann auch noch weitergehen. Wir wissen, dass es weitere Migrationswellen geben wird, die klimatischen oder kriegerischen Ursprungs sind. Die Regierung benutzt diese Flüchtlinge für ihre Zwecke. Aber ich denke, man sollte Politik machen, um das bessere Zusammenleben der Menschen im Land zu ermöglichen, und nicht, um es zu spalten. Es ist falsch, das zurückzunehmen, was man den Flüchtlingen schon zugestanden hat, also ein gekürzter Stundenlohn oder die Abschaffung von Deutschkursen. Das ergibt eine Gesellschaft, die das Zusammenleben nicht schaffen wird. Der ganze Hass, der propagiert wird, stört mich immens. Zugleich muss man daran arbeiten, dass die Menschen, die zu uns kommen, die Gesellschaften, in die sie nun hineinwachsen, auch verstehen. Auch das ist eine Herausforderung. Das, was gegenwärtig passiert, ist: Die Angst vor diesen Menschen zu schüren und sie zugleich in prekäre Situationen zu drängen.

Wie kommt es, dass Sie sich so gern politische Themen für Ihre Arbeit aussuchen?

Ich glaube, das steckt in mir. Mich interessiert die Verknüpfung zwischen Medien und Politik, daher habe ich 2002 den Film über die "Kronen Zeitung" gedreht. Auch der Bosnien-Krieg hatte mich früh interessiert. Meine Doku "Fang den Haider" (2015) war auch gespeist aus diesem Interesse. Grundsätzlich interessieren mich aber sozialpolitische Aspekte. Mich interessieren Perspektivenwechsel, mich durch meine Filme selbst in eine andere Position zu begeben und Blickwinkel zu studieren, die nicht die meinen sind. Ich will meinen Blick schärfen, das ist die Maxime meiner Arbeit.