Sie waren 21 Jahre alt und bereits ein begabter Porträtmaler, als Sie in den Westen flohen und nach Wien kamen. Welche Erinnerungen haben Sie zu dieser Zeit nach Ihrer Flucht an Wien?

Eigentlich wollte ich in Prag bleiben, weil das näher am Westen ist. Dann brach in Budapest der ungarische Volksaufstand aus. Hunderttausende flohen. Ich hatte nur meinen Studentenausweis und kein Geld. Um zu überleben, habe ich Porträts gemalt. Dabei habe ich eine Gruppe von Ärzten kennengelernt, die auch in den Westen wollten. Wir haben uns zusammengetan und einen Zollbeamten bestochen, damit er uns in einem verplombten Waggon eines Güterzugs versteckt. Wien war für mich die erste westliche Stadt, die ich gesehen und in der ich gelebt habe. Ich habe sogar vorübergehend ein Semester an der Akademie der bildenden Künste studiert, um nicht im Flüchtlingslager zu stranden, aber ich wollte weiter nach Paris in das damalige Zentrum für moderne Kunst.

In den 70er Jahren wollten Sie Wiens Flaktürme verhüllen. Warum?

Sie üben eine seltsame Faszination aus, die sich aus ihrer Hässlichkeit, Funktionslosigkeit und historischen Tragik zusammensetzt. Aber wir bekamen keine Erlaubnis. Uns war wichtig, dass aus einem Ort für den Krieg ein Ort für die Kunst entsteht.

Fast ein halbes Jahrhundert lang haben Sie und Ihre Frau für künstlerische Überraschungen und unvergessliche Erlebnisse gesorgt. Wie schwer ist es, ohne Ihre Frau Jeanne-Claude zu arbeiten?

Der Tod meiner Frau und künstlerischen Partnerin Jeanne-Claude war der schwierigste Moment in meinem Leben. Ich habe nie geglaubt, dass sie vor mir sterben würde. Es war sehr hart, Sie war für mich der Mensch, der nicht ersetzbar ist. Wir waren keine Minute getrennt. Es ist schlimm. Zum Glück habe ich Vladimir und Jonathan, unsere Neffen. Die beiden haben schon 25 Jahre für sie gearbeitet, und jetzt managen sie mich. Wir fragen uns oft: Was würde Jeanne-Claude sagen? Sie fehlt mir permanent.

Was vermissen Sie am meisten, seit Ihre Frau tot ist?

Wir konnten einfach wunderbar miteinander streiten. Sie konnte super argumentieren und ich war oft sehr stur, aber sie war das Beste, was mir passieren konnte. Wir kritisierten uns gegenseitig.

Mieten Sie sich immer erst ein, bevor Sie Ihre Kunstwerke realisieren?

Ja, der Stadt New York haben wir drei Millionen Dollar Miete für den Central Park gezahlt. Der Reichstag war günstiger. Die Bundesregierung hat 150.000 Dollar Miete von uns bekommen, und wir bekamen nicht nur den Reichstag, sondern auch das Gebiet im Umkreis von einem halben Kilometer. So konnten wir verhindern, dass dort irgendetwas passierte, was das Kunstwerk stören würde.

Stimmt es, dass Sie auf Reisen immer Knoblauch im Koffer haben?