Das jüngste Kind in der Cineplexx-Familie ist gerade erst im Werden: Im steirischen Weiz errichtet die heimische Kinokette bis Herbst 2020 ein neues Fünf-Saal-Kino mit insgesamt 750 Sitzplätzen als Teil des neu entwickelten Stadtparkquartier Weiz. Im Mai erfolgt der Spatenstich.

Das Kino in Weiz ist nur eine weitere Etappe auf dem Weg der Cineplexx-Gruppe, ein großer Player in Europa zu werden - in Österreich ist man längst Marktführer und betreibt gut die Hälfte aller Lichtspieltheater. Seit 2009 streckt das familiengeführte Unternehmen von Christian Langhammer seine Fühler auch in andere Märkte aus: Zunächst eröffnete man ein Multiplex in Bozen (demnächst folgt auch eines in Meran), später in Zagreb. Heute gibt es Cineplexx-Kinos in Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien, sowie gleich fünf Häuser in Slowenien. 2013 baute man das erste Sieben-Saal-Kino in Albanien. In Zahlen: Die Gruppe betreibt 50 Kinos mit 303 Sälen in elf Ländern. Sie erreicht jährlich 12 Millionen Besucher und macht 140 Millionen Euro Umsatz.

Eine Marktübermacht?

Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek. - © P. Jelenska
Cineplexx-Geschäftsführer Christof Papousek. - © P. Jelenska

Die Expansion geht noch weiter: Ende Jänner wurde bekannt, dass die Cineplexx-Gruppe alle drei Standorte der UCI-Kinos in Österreich übernehmen wird - das Annenhof-Kino in Graz sowie die Standorte UCI Millennium-City und UCI SCS. Damit schwillt der Marktanteil der Cineplexx-Kinos erneut stark an. Eine Marktübermacht, die anderen Kinobetreibern missfallen könnte? Für Christof Papousek, den Geschäftsführer der Cineplexx-Gruppe, ist das eine oft gestellte Frage. "Wir haben die Übernahme der UCI-Standorte der Wettbewerbsbehörde gemeldet. Es handelt sich dabei um keinen kartellrechtlich relevanten Tatbestand", so Papousek. "Natürlich dürfen wir unsere Größe nicht marktmissbräuchlich verwenden, aber das durften wir bisher auch schon nicht", betont Papousek. Die Bundeswettbewerbsbehörde bestätigt das auf Nachfrage, da ein entsprechendes Umsatzlimit nicht überschritten wird.

Mit den übernommenen UCI-Kinos hat das Unternehmen zunächst eine eingehende Prüfung vor. Vor allem das UCI Millennium City eigne sich gut zum Ausbau zu einem "Cineplexx-Flagship-Kino". Dafür nimmt man rund zehn Millionen Euro für die Neugestaltung in die Hand. Beim Kino in der SCS ist es schwieriger: "Dort sind die Säle flache Wannen, es gibt kein ‚Stadium Seating‘", so Papousek. Das sei unzeitgemäß und müsse mittelfristig umgebaut werden.

Eine solche Expansion voranzutreiben, gerade in Zeiten, in denen Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon ihren Siegeszug antreten und dem Kino gefährlich werden, erscheint auf den ersten Blick durchaus verwegen. "Wir glauben aber daran, dass das Kino als Out-of-Home-Entertainment eine große Zukunft hat", sagt Papousek. Trotz des vergangenen Kinojahres, das in Österreich und Deutschland sehr schlecht gelaufen ist (mancherorts verzeichnete man einen Besuchereinbruch um fast 20 Prozent), sei jetzt die Zeit, zu investieren: "In den USA gab es 2018, ganz im Gegensatz zu uns, das beste Kinojahr aller Zeiten mit 42 Milliarden Dollar Box-Office-Ergebnissen", sagt Papousek. Nachsatz: "Und dort gibt es ja auch Streamingangebote."