Es gab eine Zeit, da war Julian Schnabel vor allem für eines bekannt: visionäre Bilder zu malen. Einen Namen hat sich der New Yorker Künstler in der Szene schnell gemacht, es war die Kompromisslosigkeit seiner Malerei, die sie bis heute Bestand haben lässt: Selten ist ein echter Schnabel als Schnäppchen zu haben - man legt durchaus sechs- manchmal siebenstellige Beträge dafür hin. Seit seiner ersten Solo-Ausstellung 1979 zählt Julian Schnabel zu den erfolgreichsten Malern der Gegenwartskunst. Als Mitbegründer des Neoexpressionismus hat der 1951 in New York als Sohn jüdischer Eltern geborene Schnabel einen ausgezeichneten Ruf.

Doch seit Mitte der 90er Jahre ist Schnabel auch vermehrt als Filmregisseur tätig - auffallend dabei ist, dass er sich meistens Menschen seiner Zunft annimmt, die er mit einer liebevollen Eigenwilligkeit porträtiert. "Basquiat" (1996), sein Regiedebüt, zeichnete das kurze Leben des schwarzen Ausnahmekünstlers nach, der mit nur 28 Jahren an seiner Drogensucht starb; "Before Night Falls" (2000) berichtete vom schwulen kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas. Und jetzt hat Schnabel wieder ein Künstlerleben verfilmt, auf die ihm ganz eigene, avantgardistisch angehauchte Art: "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" (ab Freitag im Kino).

Der Film, grandios getragen von Willem Dafoe in der Rolle des Malers, widmet sich den letzten Lebensjahren und -tagen van Goghs. Dann, als er aus Paris in den Süden Frankreichs geflohen war, weil ihm trotz der hunderten Gemälde, die er bislang gemalt hatte, niemand auch nur irgendwie Anerkennung für seine Kunst entgegengebracht hatte. In Arles richtet er sich ein, um dort wie besessen an seinem Werk weiterzuarbeiten, nur besucht von seinem Künstlerkollegen und engen Freund Paul Gauguin (Oscar Isaac).

Van Goghs Bruder (Rupert Friend), der Kunsthändler ist, unterstützt ihn finanziell, doch es nützt alles nichts: Van Gogh ist längst besessen von seinen inneren Dämonen, die Stimmungsschwankungen werden immer unerträglicher, und Schnabel destilliert hervorragend heraus, wie wichtig die Anerkennung für van Gogh gewesen wäre. Wie wichtig sie für jeden Künstler ist. Van Gogh landet letztlich in einer psychiatrischen Anstalt, wo er unter mysteriösen Umständen mit nur 37 Jahren stirbt. Auch diesem Umstand widmet sich der Film.

Dass Willem Dafoe, immerhin schon 63, den jungen van Gogh spielt, stört nicht; man glaubt ihm die Figur trotz des Altersunterschieds von Beginn an, was auch seinem Talent geschuldet ist, die Figuren, die er spielt, völlig zu verinnerlichen.