Bei der Entwicklung der nordkoreanischen Filmgeschichte ist mitunter nicht ganz klar, wo die Realität aufhört und die Fiktion beginnt. Zu unklar ist die Quellenlage, und zu unglaublich sind die Geschichten, die sich hinter den Kulissen des isolierten Staates zugetragen haben sollen. Der Zugang zu Filmmaterial, den entsprechenden Archiven, Unterlagen sowie den beteiligten Künstlern und Bürokraten ist naturgemäß limitiert. Doch die bekannten Filme werfen ein Licht auf eine Industrie, die auf Hochtouren arbeitet und für die Staatsführung oberste Priorität besitzt. So hoch, dass sie dafür auch über Leichen gehen würde. Denn von Anfang an wurde das Kino dazu genutzt, einen Gründungsmythos zu schaffen und die Machthaber - also die regierende Kim-Dynastie - mehr oder weniger mystisch zu erhöhen.

Am 9. September 1948 ruft Kim Il-sung in Pjöngjang die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Der frühere Partisanenführer weiß, dass er sich trotz der Unterstützung durch die Sowjetunion legitimieren muss, und sein junger Staat braucht einen erzählerischen Narrativ. Nach dieser Lesart waren es nicht die Russen und schon gar nicht die USA, welche die japanischen Kolonisatoren aus dem Land getrieben haben, sondern ganz alleine Kim mit seinen treuen Kämpfern. Genau diese Geschichte erzählt der erste Film, der in Nordkorea produziert wird: "My Home Village" aus dem Jahr 1949. Ein armer Bauer mit dem Namen Gwan Pil schließt sich Kims Truppen an, die schließlich dessen Dorf aus den Klauen der Japaner befreien und eine neue Gesellschaft aufbauen. Der Film beginnt mit einer Einstellung des schneebedeckten Berges Paektu, der in Korea als heilig gilt - und wie es die Erzählung so will, soll Kim Jong-il, der erst siebenjährige Sohn des Staatsgründers, kritisch angemerkt haben, dass der vermeintliche Schnee am Gipfel aus billiger Watte sei. Die Filmversessenheit des Diktatoren-Sprosses sollte in weiterer Folge noch eine wichtige Rolle spielen.

Der nordkoreanische Godzilla , Pulgasari. - © Archiv
Der nordkoreanische Godzilla , Pulgasari. - © Archiv

Imperialistische Leichen

Doch zunächst ist es vor allem der Koreakrieg, der von 1950 bis 1953 wütet und den zweiten Mythos des Landes bildet. In dieser Zeit entsteht mit dem nordkoreanischen Kriegsfilm ein eigenes Genre, das die richtige (also: die eigene) Sicht der Dinge auf die Leinwand bringen sollte. Demnach ist es wieder Kim Il-sung, der den teuflischen Feind aus West und Süd aus eigener Kraft besiegt. "Scouts" aus dem Jahr 1953 ist dafür ein gutes Beispiel, bei dem sich ein nordkoreanisches Kommando siegreich durch das Feindesland metzelt. Der Mangel an Handlung wird durch ein Übermaß an imperialistischen Leichen und jede Menge Pathos kompensiert.