Der Star dieses Films ist ein anderer: In "Der Fall Collini" (derzeit im Kino) ist der in München geborene Österreicher Elyas M’Barek einmal mehr das Zugpferd, allerdings nicht wie meist in einer komödiantischen Rolle (mit "Fack Ju Göhte" schrieb er deutsche Comedygeschichte), sondern in seiner bislang besten dramatischen Rolle: Als junger Anwalt soll er den italienischen Gastarbeiter Fabrizio Collini (Italowestern-Legende Franco Nero) pflichtverteidigen, weil dieser den hoch angesehenen Industriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) ermordet hat - und das scheinbar ohne Motiv.

Alexandra Maria Lara spielt die Enkelin des Toten. Pikant: Diese war einst die Jugendliebe des von M’Barek verkörperten Anwalts - was zu gemischten Gefühlen vor Gericht führt. Insgesamt ist der Gerichtsthriller von Marco Kreuzpaintner eine emotional spannende Adaption, die auf dem Roman von Ferdinand von Schirach basiert, der darin wiederum ein Familiengeheimnis mit einer NS-Vergangenheit verwoben hat.

Spannende Bücher wie diese mag Alexandra Maria Lara. Auch, wenn sie hier nur in einer Nebenrolle zu sehen ist, erfüllt ihre Aura wie meist den Kinosaal, wenn sie im Close-up zu sehen ist. "Die Regisseure stecken mich nicht in Schubladen. Tatsächlich sind es eher die Journalisten, die sich da auf etwas eingeschossen haben, was recht eindimensional ist", sagt Lara im Interview. Wäre es anders, hätte sie auch nie die Karriere gemacht, die sie gemacht hat: Mit 40 ist Lara Inhaberin einer Filmografie, die sich sehen lassen kann. Die 1978 in Rumänien mit Familiennamen Platareanu Geborene, die mit ihren Eltern 1983 mit einem Tagesvisum kurzerhand vor dem Ceausescu-Regime nach Deutschland geflüchtet war, hat sich seit ihrer Titelrolle in der Serie "Mensch Pia" (1996) schnell zu einer der beliebtesten deutschen Schauspielerinnen entwickelt. Ikonisch in ihrer Karriere steht ihre Performance als Hitlers Sekretärin Traudl Junge in "Der Untergang" (2004) - und der Erfolg dieser Rolle brachte sie dazu, drei Jahre später zu Tom Cruise "Nein" zu sagen, als dieser sie in einer Sekretärinnen-Rolle für "Operation: Walküre" (2007) haben wollte. Ein Klischee zu sein, das widerstrebt ihr. "Das war mir damals zeitlich zu nahe an ‚Der Untergang‘, und das stellte keine wirkliche Herausforderung dar. Ich hätte natürlich gerne mit Tom Cruise gedreht, aber daraus wurde medial etwas völlig anderes gemacht, als es bei mir im Denkprozess stattgefunden hat."

Kein Partytiger

Gemeint sind die Journalisten, mit denen Lara bislang nie wirklich warm geworden ist, die sich aber im Schauspielerberuf auch nicht umgehen lassen. "An den Medienrummel gewöhnt man sich nie. Ich spreche sehr gerne über Filme, aber man weiß nie wirklich, was die Journalisten tatsächlich denken, das ist immer mit viel Aufregung verbunden."

Weshalb Lara auch die meisten Partys auslässt: Auf den roten Teppichen ist sie selten anzutreffen, über ihr Privatleben mit Ehemann Sam Riley und dem gemeinsamen Sohn wird wenig ausgeplaudert. "Wie privat man ist, ist jedem selbst überlassen", sagt Lara. "Ich verweigere kein Gespräch über Privates, muss aber nicht alles preisgeben. Ich bin aber nicht der Partytiger. Da muss man wirklich Spaß dran haben. Aber mein Spaß ist eher die Arbeit, und danach mache ich vom Rummel Pause".

Die Arbeit, von der Lara spricht, ist mehr als nur die Schauspielerei. Sie träumt vom Regieführen: "Ich möchte gerne bald selbst hinter die Kamera wechseln", sagt sie. "Ich habe das Glück, schon mit den verschiedensten Leuten gearbeitet zu haben, und mich interessiert es jedes Mal sehr, wie ein Regisseur die jeweilige Essenz eines Schauspielers herausarbeitet. Am Set bin ich gerne diejenige, die sich die Szenen danach nochmals ansieht. Ich streite dann schon mal mit dem Regisseur, weil ich finde, diesen oder jenen Take sollte man verwenden oder wiederholen." Die Schwierigkeit sei jedenfalls, ein geeignetes Skript zu finden: "Vor dem Schreiben habe ich große Hochachtung", so Lara. "Daran scheitert es momentan noch."

Eine technische Herangehensweise an Schreiben und Inszenieren wäre hierbei kaum Laras Art, sich der Materie zu nähern. Wie auch bei der Schauspielerei vertraut sie mehr auf den Bauch als auf den Kopf. "Ich habe sehr viele meiner Filme wirklich nur aus dem Bauch heraus gemacht und keine große Planung dabei gehabt. Die Bücher, die mich begeistert haben, mussten mich vom Gefühl her begeistern." So soll das auch bei den Regieambitionen bleiben: "Ich warte, bis mich etwas fasziniert. Erzwingen will ich nichts".