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Linz. Die Linzer Filmschau "Crossing Europe" geht bereits in die 16. Runde, und auch heuer wieder nimmt das Filmfestival der oberösterreichischen Landeshauptstadt Cineasten mit auf eine filmische Reise quer durch Europa und seine Kulturen. Das Ziel des Festivals: Die 170 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme sollen eine differenzierte Sichtweise auf Europa geben, wie es im Hier und Jetzt ist.

"Eine filmische Reise quer durch den Kontinent, wo Themen aufgegriffen werden, die Europa heute bewegen", erläutert Festival-Gründerin und -Direktorin Christine Dollhofer. "Es geht dabei unter anderem um aktuelle europapolitische Aspekte, aber auch um historische Ereignisse, die bis heute nachwirken, wie etwa der Krieg im ehemaligen Jugoslawien der Nordirland-Konflikt, das Ende des Kommunismus. Wachsender Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit, aber auch Diversität, soziales Engagement und ein respektvolles Miteinander sind nur einige der Themen, die sich durch das Programm ziehen. Die europäische Filmszene ist jedenfalls aufmüpfig, kritisch und lebendig."


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Crossing Europe
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Auch weibliche Filmschaffende spielen beim Festival in Linz eine tragende Rolle - mit Elfi Semotan, Iris Elezi und Leni Gruber sind unter anderem gleich drei Generationen von Künstlerinnen im Programm vertreten.

In "Elfi Semotan, Photographer" zeichnet der österreichische Regisseur und Kameramann Joerg Burger das Porträt einer bemerkenswerten Künstlerin, die mit ihren 77 Jahren als Grande Dame der Fotografie gilt und deren Arbeit 50 Jahre an Kunst-, Mode- und Werbefotografie umfasst. Für seinen Dokumentarfilm hat der Regisseur Semotan über mehrere Wochen begleitet.

Auch in der heuer zum dritten Mal stattfindenden Programmsektion "Spotlight", in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum, steht eine Filmschaffende aus Europa im Fokus: die albanische Regisseurin und Filmkonservatorin Iris Elezi, die schon im Jahr 2015 mit ihrem Langspielfilm-Debüt "Bota" in Linz zu Gast war. Für "Spotlight" fungierte Iris Elezi als Kuratorin und wählte, ausgestattet mit einer Carte blanche, historische und aktuelle albanische Produktionen aus. So sind neben Elezis "Bota" und "When Shooting a Film" der albanischen Regisseurin Xhanfise Keko aus dem Jahr 1981 unter anderem auch der aktuelle und auf zahlreichen Festivals erfolgreiche Spielfilm "Cold November" von Ismet Sijarina zu sehen.

Neu im heurigen Programm ist die Jugendschiene YAAAS!, die die Themen junger Menschen in den Fokus rückt, aber auch das junge Publikum aktiv einbinden möchte, wie Festivalleiterin Christine Dollhofer betont: "Auch Crossing Europe wird älter: Wir feiern heuer die 16. Ausgabe - und um den Anschluss an die nächste Generation nicht zu verlieren, ist es mir wichtig, ein junges Publikum für das Kino zu begeistern."

Kein Netflix-Bashing

Das ist auch nötig, denn derzeit spürt niemand die Konkurrenz von Netflix & Co. dermaßen stark wie das Kino. "Die diversen Plattformen stellen für Festivals weniger Konkurrenz dar, als für den regulären Kinobetrieb", sagt Dollhofer. "Denn ein Filmfestival ist Ausnahmezustand, ein gesellschaftliches Ereignis und zeitlich begrenzt. Wir bemühen uns sehr, das Künstlerische und Filmkulturelle im direkten Dialog mit den Filmschaffenden in den Vordergrund zu stellen und darüber hinaus gesellschaftspolitische Themen zu positionieren." Ein Filmfestival als letzte Bastion also gegen die überall konsumierbare Streaming-Unterhaltung?

"Ich will kein Netflix-Bashing betreiben, denn es gibt tolle Serienformate, und es ist eine Entwicklung, die ohnehin unaufhaltsam ist und den Markt schon nachhaltig verändert hat", meint Dollhofer. "So wie alle Innovationen wird es auch hier Abnützungserscheinungen geben. Ich selbst bin Userin - und, wenn man über einige Jahre viele Serien gesehen hat, wachsen die Ansprüche; nur Qualität und Diversität werden sich langfristig durchsetzen". Und die gäbe es vor allem auf den Leinwänden, so Dollhofer: "Ich setzte auf die Kraft des Kinos. Denn unabhängig davon, was Netflix und Co. anbieten, Kino ist ein kollektiver, sozialer Moment. Wir müssen das Sofa verlassen, treffen andere Menschen und können mit ihnen über Filme und die Welt diskutieren."