Irgendwie sind ja schon "die Ausländer" an allem Schuld: Daran, dass man keine "g‘scheiten Jobs" mehr kriegt, auch daran, dass die Lage im Sozialsystem kritisch wird, und auch und sowieso ist die Gesamtsituation wenig zufriedenstellend. Das finden zumindest die Protagonisten in Ulli Gladiks Dokumentarfilm "Inland" (derzeit im Kino), in dem die Regisseurin die Gedankenwelt von FPÖ-Wählern mit der Kamera einzufangen versucht. Gladik drehte in ehemals klassischen Wiener Arbeiterbezirken wie Ottakring, Donaustadt und Favoriten und spürte dabei so manchen entschlossenen FPÖ-Wähler auf, aber auch Menschen, die von ihrer Überzeugung her eigentlich Rotwähler sein müssten, aber von der SPÖ zutiefst enttäuscht sind und ihre Stimme daher lieber den Blauen geben.

"Es war nicht einfach, die Protagonisten für den Film zu finden", sagt Ulli Gladik im Interview. "Ich hatte nach meinen Recherchen schon 12 Personen gefunden, die mitmachen wollten, aber als die Dreharbeiten begannen, kamen viele Absagen, weil die Leute Angst hatten, ihren Job zu verlieren und sich nicht mehr getraut haben, sich vor der Kamera zu äußern. Dann musste ich wieder von vorne anfangen".

Der Ton wird rauer

Ulli Gladik wollte auch Persönliches erfahren. - © Peter M. Mayr
Ulli Gladik wollte auch Persönliches erfahren. - © Peter M. Mayr

Gedreht hat Gladik rund um die Zeit der letzten Nationalratswahl im Jahr 2017, bei der die Stimmung im Land sich generell in Richtung rechts bewegte. "Ich hatte schon den Eindruck, dass der Ton rauer geworden ist", so Gladik. "Das liegt aber auch daran, dass Sebastian Kurz einen Wahlkampf geführt hat, der sehr stark auf solche Ressentiments abgezielt hat. Was von Rechts gefordert wurde, ist in die politische Mitte eingesickert und wurde so mehrheitsfähig. Und somit ist dieses Thema noch viel mehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen, das ist jedenfalls mein Eindruck."

Deshalb hat sich Gladik vorgenommen, die Denkweise der FPÖ-Wähler exemplarisch zu erforschen. Ihre drei hauptsächlichen Protagonisten, die sich schließlich bereit erklärt hatten, vor der Kamera frei von der Leber weg zu sprechen, halten mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg: Es wird schnell klar, welche Gespräche sonntags an den Stammtischen geführt werden, und so manche Äußerung geht weit über jedes Maß hinaus - bis zur Aufforderung zu einem "Bürgeraufstand gegen die Ausländer". "Ich hatte schon den Eindruck, dass viele Ressentiments gegen Migranten ihre Wurzel in Wahrheit ganz woanders haben, in eigenen Frustationen, weil man nicht genug Anerkennung bekommt, weil man Angst vor dem Jobverlust hat, weil man sich nicht gerecht entlohnt findet. Das Migrationsthema hat für viele deshalb eine Art Ventilfunktion, weil die Existenz der Menschen nicht mehr so gesichert ist, wie noch vor 30 Jahren", sagt Gladik.