Als gutherziger Riese zu Weltruhm gelangt: Die "Star Wars"-Ikone Peter Mayhew ist in Texas verstorben. - © afp
Als gutherziger Riese zu Weltruhm gelangt: Die "Star Wars"-Ikone Peter Mayhew ist in Texas verstorben. - © afp

Zugegeben: Eine Charakterrolle ist es nicht. Dafür fehlt es ihr an Eloquenz, ja überhaupt an Sprache. Was der Zottelbär mit dem obligaten Patronengurt seinem Brustraum entstößt, ist meist ein grobes Gebrüll - irgendwo anzusiedeln zwischen Gorillawut und Seelöwen-Brunftruf. Und doch gab es im "Star Wars"-Universum jemanden, der diesen Chewbacca verstehen konnte - nämlich Han Solo, den schlitzohrigen Schmuggler und Piloten des "Rasenden Falken". Die Verständigung zwischen den beiden tat auch Not: Immerhin versah der Brüllaffe an Bord Dienst als Kopilot. Eine kuriose Gestalt in der diesbezüglich reich besiedelten Galaxie von Filmemacher George Lucas.

Trotz seiner ungeschlachten Diktion ist "Chewie" nicht nur mit Navigationsgeschick begabt, er weiß im Reparaturfall auch eine helfende Zottelhand anzubieten. Nur bei einer Schachpartie droht die innere Bestie mit ihm durchzugehen: Ein Wookiee - so heißt diese Spezies haariger Hünen im "Star Wars"-Kosmos - pflegt einem siegreichen Gegner nämlich den Arm zu brechen. Ein Kollateralschaden, den es im Lauf der bisher acht "Star Wars"-Filme aber nie zu beklagen galt. Denn die furiose Figur im Flokati ist ihren Freunden Luke, Leia und Han hündisch treu ergeben. Der handgreifliche Zorn dieses Grunzgiganten richtet sich allein gegen die Vasallen des Imperiums und der Ersten Ordnung. Auf sie mit Gebrüll!

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Von der Radiologie ins Weltall

Als George Lucas 1976 seinen ersten "Star Wars"-Film drehte, war an raffinierte Computertricks noch nicht zu denken. Es galt nicht nur, eine Flotte an Raumschiffmodellen zu basteln, sondern auch Darsteller von speziellem Wuchs zu finden. Menschen wie den kleinwüchsigen Kenneth Baker, der in der Roboterhülle des pfiffigen R2-D2 verschwand. Oder den Riesen Peter Mayhew. Er dürfte im Chewbacca-Kostüm ganze Schweißbäche vergossen haben - denn der textlose Titan wurde zu seiner Lebensrolle.

Die Leinwandkarriere des gebürtigen Briten hatte im selben Jahr schon animalisch begonnen: In "Sindbad und das Auge des Tigers" verkörperte der 2,21-Mann ein minotaurusartiges Wesen. Ein Zufall brachte ihm danach den Part des pelzigen Patronenträgers ein. Eigentlich hätte der ebenfalls hochgeschossene David Prowse den Wookiee mimen sollen, schlüpfte aber lieber hinter die Maske des Darth Vader. So schmiegte sich dann Mayhew, hauptberuflich Radiologieassistent in London, ins dicke Wookiee-Fell. Die angeblich einzige Aufgabe des Castings hatte er erfüllt - nämlich aufzustehen.

Seit damals hat Mayhew den "wandelnden Bettvorleger" Chewie, wie ihn Prinzessin Leia in einer Szene nennt, nicht nur in der Originaltrilogie verkörpert, sondern auch noch in "Die Rache der Sith" (Episode 3). Und er kämpfte sich für seine Leibpartie 2015 noch einmal aus dem Rollstuhl, als der siebente Teil gedreht wurde. Am Dienstag ist Peter Mayhew nun mit 74 Jahren in Texas gestorben. "Er hat sein Herz und seine Seele in die Rolle von Chewbacca gesteckt und zeigte dies in jedem Einzelbild des Films", erklärte seine Familie.