Jacqueline Bisset begann ihre Weltkarriere als Model. - © afp
Jacqueline Bisset begann ihre Weltkarriere als Model. - © afp

Sie ist eines der Gesichter des europäischen Kinos der 60er und 70er Jahre: Die Britin Jacqueline Bisset, inzwischen 74 Jahre alt, hat ihre Karriere als Model gestartet, und galt später als die schönste Schauspielerin des europäischen Films. Sie drehte mit den ganz großen Regisseuren - von Claude Chabrol über Roman Polanski bis hin zu George Cukor, Sidney Lumet oder John Huston. François Truffaut drehte mit ihr "Die amerikanischen Nacht" (1973), und sie war auch in Klassikern wie "Bullitt" oder "Mord im Orient-Express" zu sehen. 2014 der Höhepunkt: Bisset bekommt für ihre Mitwirkung an der Mini-Serie "Dancing on the Edge" einen Golden Globe. In ihrem neuen Film "Im Hier und Jetzt: Der beste Tag meines Lebens" (soeben auf DVD erschienen) spielt sie die Mutter einer Jazz-Sängerin (Sarah Jessica Parker), die mit einer niederschmetternden Krebs-Diagnose fertig werden muss.

"Wiener Zeitung": Frau Bisset, Sie begannen Ihre Karriere als Model. Das ist nicht immer die beste Voraussetzung für eine Schauspielerkarriere.

Jacqueline Bisset: Da haben Sie recht. Aber bei mir war es ohnehin etwas anders: Das Problem war, dass ich nicht dem Schönheitsideal der 60er-Jahre entsprach. Ich war nicht dünn genug, und meine Haare waren lockig. Doch es stimmt, dass man mich wegen dieser Model-Karriere später oftmals nicht als ernstzunehmende Schauspielerin angesehen hat. Das brauchte viel Durchhaltevermögen meinerseits. Ich war niemals darauf aus, als Model in Rente zu gehen, außerdem waren die meisten meiner Model-Kolleginnen so viel professioneller als ich. Mein Ziel aber war damals schon, eine Schauspielschule zu besuchen, denn das Modeln wäre für mich auf Dauer zu uninteressant gewesen.

Weil man auf die eigene Schönheit reduziert wird?

Auch das. Denn ich selbst fand mich niemals schön im eigentlichen Sinne. Ich konnte etwas damit anfangen, wenn die Leute sagten, sie hat tolles Make-up und tolle Haare, aber per se war die Schönheit für mich nicht sichtbar. Die Verwandlung diente nur dazu, einen gewissen Look zu erreichen, den ich für eine Rolle brauchte. So sah ich das damals. Ich wusste immer, dass ich auch andere Qualitäten habe als mein Äußeres.

Legendär ist ihre Rolle in Truffauts "Die amerikanische Nacht". Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Truffaut war der Regisseur, den ich immer am meisten bewunderte. Umso schmeichelhafter war es, als er mir das Angebot schickte, daran mitzuwirken. Er war sehr offen und erlaubte auch Improvisationen. Ich war damals in St. Paul de Vence untergebracht, ein wunderschöner Ort in Südfrankreich, und alle beneideten mich dafür. Denn ich war die einzige dort, und die anderen Schauspielerinnen, die in Nizza wohnten, hätten alles getan, um auch dort zu wohnen.