Es ist nicht ungefährlich, sich an großen Vorbildern zu versuchen: Sehr schnell werden die Idole von einst im Kino zu verkitschten Karikaturen ihrer selbst, wenn man das Wichtigste nicht beachtet: Die Besetzung. Mit ihr steht und fällt jedes Biopic. Vor allem im Fall des kongenialen Komikerduos Stan und Ollie scheint das Wagnis groß: Wer soll die beiden legendären Komiker derart interpretieren, dass man sowohl optisch wie auch bei Gehabe und Humor glaubt, man habe die echten Komiker vor Augen anstatt eines Imitats?

In "Stan & Ollie" (derzeit im Kino) unter der Regie von Jon S. Baird ist das famos gelungen: Steve Coogan schlüpfte für das Bio-Pic, das die späten Jahre des Duos beleuchtet, in die Rolle von Stan Laurel, John C. Reilly verwandelte sich in Oliver Hardy - mit beeindruckendem optischen Ergebnis. Aber auch die Pointen sitzen, und man lernt das Duo abseits der Bühne kennen: Die Handlung spielt 1953, als der Ruhm der Komiker schon recht verblasst war und sie eine große Bühnentournee durch Großbritannien unternahmen. Zunächst spielte man vor fast leeren Zuschauerräumen, doch die Säle füllten sich immer mehr.

Krise zwischen den Komikern

Während die Karriere schön langsam einen neuen Schub bekommt, beginnt es jedoch zwischen den Komikern zu kriseln: Laurel träumt von einem großen Film, den er über Robin Hood machen will, Hardy machen gesundheitliche Probleme schwer zu schaffen. Die Ankunft ihrer beiden Frauen bringt zusätzlich Zündstoff in die sensible Künstlerbeziehung dieser Ausnahmekomödianten.

"Das alles hätte auch schief gehen können", sagt Steve Coogan. Gemeint ist damit die große Verantwortung, die auf einem lastet, wenn man sich entschließt, solche Leinwand-Ikonen zu spielen. "Denn die gibt es natürlich, und das war John C. Reilly und mir im Fall von ‚Stan & Ollie‘ auch sehr bewusst. John war noch ein wenig nervöser als ich. Aber das Risiko des Scheiterns gibt es immer, ohne ist wirklich gute, lohnenswerte Arbeit eigentlich nicht möglich. Ich brauchte ein wenig Bedenkzeit, merkte allerdings schnell, dass sich die Sache gut anfühlte. Die richtigen Leute waren beteiligt und die Herangehensweise gefiel mir".

Reilly und Coogan stammen beide aus einer Generation, die Stan & Ollie vor allem aus dem Fernsehen kannten - viele ihrer Sketche waren jahrzehntelang Dauerbrenner im Fernsehprogramm. "In den Schulferien habe ich sie regelmäßig geschaut", so Coogan. "Ich fand sie herrlich komisch und habe mich köstlich amüsiert. Wie viel Arbeit und exaktes Timing in solchen Sketchen steckt, habe ich natürlich erst sehr viel später realisiert". Dann nämlich, als Coogan selbst Comedy gemacht hat und vor Publikum auftrat. "Ich weiß, was es heißt, Leute zum Lachen zu bringen", sagt er. "Wenngleich meine Comedy eine ganz andere ist als die von Laurel und Hardy. Aber die Gemeinsamkeit besteht darin, dass am Ende Humor entsteht. Das half uns auch bei der Interpretation der Figuren".

Zeitloser Humor

Der Film zeigt nun auch gut auf, wie zeitlos der Humor von Stan & Ollie geblieben ist. Was auch daran liegen mag, dass die Gags allesamt durch Herzenswärme auffielen, anstatt ihren Witz auf Kosten anderer zu entwickeln. Der Humor funktionierte weit abseits jeglicher politischer Gesinnung, jeder Altersklasse und jeder Religion oder sozialen Schicht. "Die unterschiedlichsten Menschen zum Lachen bringen, die ansonsten nichts gemeinsam haben, das ist große, wirkungsvolle Kunst", findet Coogan. "Nicht ohne Grund kam die Arbeit der beiden deswegen auch ganz bewusst ohne politische Anspielungen aus, obwohl gleichzeitig in Europa der Faschismus aufkam und die USA von der Großen Depression geplagt waren. Ihnen ging es einzig und allein ums Menschliche, um das kleine Scheitern, das wir alle kennen".

Inzwischen sind Stan & Ollie ein wenig in Vergessenheit geraten, auch, was ihre Auftritte im Fernsehen angeht. "Es ist Zeit, ihnen wieder ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen, denn so präsent sie für meine Generation und die davor war, so wenig bekannt sind sie heute bei jungen Leuten". Die haben nun die Gelegenheit, sie im Kino neu zu entdecken.